Und jetzt der Krieg! Wird er dem als „weltpolitisch sensibel“ geltenden Projekt, dessen Finanzierung seit zwei Jahren eine einzige Zitterpartie ist, endgültig den Todesstoß versetzen„
„Nein, es gibt keine aktuelle Gefährdung für die Chipfabrik wegen des Irak-Krieges“, antwortet Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). Alle Beteiligten hätten genügend Problembewusstsein. Sie hätten sich längst auf das Szenario eingestellt, betonte er gestern gegenüber der RUNDSCHAU.

Die große Unbekannte bleibt
Vorige Woche hatte der Minister mit den Scheichs in Dubai und den Bossen von Intel gesprochen. Alle wollten das Projekt fortführen. Befürchtungen, dass die internationalen Finanzierungsverhandlungen jetzt beeinträchtigt werden könnten, wies Junghanns zurück. Er sehe keinen unmittelbaren Einfluss auf die Verhandlungen. Allerdings macht Junghanns aus einer Sorge keinen Hehl: „Die große Unbekannte ist der Verlauf des Krieges.“ Wenn er länger dauere, wenn es eine fundamentalistische Gegenreaktion aus der arabischen Welt geben sollte, könne dies nicht abzusehende Folgewirkungen für die Weltwirtschaft und damit auch für das multi-nationale Projekt haben. „Das muss man im Auge behalten.“
Auch Communicant-Vorstandschef Abbas Ourmazd, gerade von Gesprächen mit Intel aus Kalifornien zurück, macht sich keine Illusionen darüber, „dass jeder Krieg unberechenbar ist“. Dennoch sehe er derzeit „keine Auswirkungen auf die Chipfabrik“. Ourmazd, gebürtiger Iraner mit US-Pass, verweist auf „die außerordentlich engen Beziehungen zwischen den arabischen Emiraten und den Vereinigten Staaten“. Er habe unmittelbar nach dem Kriegsausbruch mit Dubai telefoniert: Man sehe dort nicht, dass der Krieg die Investition erschweren könnte. Das bestätigt Hans-Georg Schmitter, Leiter der Brandenburger Auslandsplattform in Dubai, der am Morgen mit dem dortigen Regierungsbeauftragten Mohammed al Zarouni gesprochen hatte: „Es gibt nicht den geringsten Zweifel, dass Dubai seinen Verpflichtungen nachkommt“, so Schmitter. „Jegliche Kassandra-Rufe sind unbegründet.*amp *ldquo;

Alle wussten, dass Krieg kommt
Schmitter glaubt sogar, dass der engere Zusammenschluss zwischen Deutschland und Arabien durch die Anti-Kriegs-Haltung von Bundeskanzler Gerhard Schröder sich positiv auf die Chipfabrik und die Wirtschaftsbeziehungen überhaupt auswirken werde. Deutsche und Franzosen seien in Dubai hoch angesehen.
Auch im politischen Raum sieht man keine unmittelbare Gefahr für die Chipfabrik. Zwar ist der PDS-Wirtschaftsexperte Ralf Christoffers überzeugt, dass der Irak-Krieg einen Rückschlag für die Weltwirtschaft bedeute, der mittelbar auch Folgen für Brandenburg haben werde. Es werde sehr lange dauern, bis sie sich davon erhole. Ob sich dadurch die Aussichten für die Chipfabrik verschlechterten, sei im Moment Spekulation. Der SPD-Wirtschaftsexperte Heiko Müller warnt zwar vor „übertriebenen Ängsten“. Was die Chipfabrik angehe, so hätten alle Beteiligten gewusst, „dass der Krieg kommt“. Er glaube deshalb nicht, dass die Finanzierungsverhandlungen beeinträchtigt würden.
Von der Chipfabrik abgesehen: Können die Störungen im deutsch-amerikanischen Verhältnis das Engagement weiterer US-Firmen in Brandenburg gefährden“ So verhandelt zum Beispiel das US-Unternehmen Universal Express mit dem insolventen Luftschiffbauer CargoLifter in Brand. SPD-Wirtschaftsexperte Müller sieht keinen Grund, warum die Amerikaner jetzt abspringen sollten. Zurückhaltender ist da Wirtschaftsminister Junghanns: Noch, so betont er, sehe er keine Auswirkungen durch die deutsch-amerikanischen Spannungen auf die Ansiedlung von US-Investoren. „Aber ich beobachte das sehr aufmerksam.“