Schon am Montag will er einen Brief an das Parlamentspräsidium schreiben, in dem er die Entfernung des Kreuzes beantragt. „Das Kreuz ist kein nationales Symbol“, begründet Palikot, dessen Partei auf Anhieb 40 der 360 Plätze im neuen Sejm erreichte. „Das Symbol des Staates ist der Adler mit der Krone.“ Die Palikot-Bewegung hatte sich im Wahlkampf für eine klare Beschränkung des kirchlichen Einflusses ausgesprochen – und jeder zehnte Wähler hatte der neuen Partei auch dafür die Stimme gegeben.

Berufung auf Verfassung

Palikot beruft sich auf die polnische Verfassung, in der die Trennung von Staat und Kirche festgelegt ist. Dass es in Polen, der Heimat des nach wie vor verehrten Papstes Johannes Paul II., kaum eine öffentliche Veranstaltung gibt, auf der nicht auch ein paar Bischöfe als Ehrengäste besonders begrüßt werden, dass vor allem in Dörfern und Kleinstädten noch immer der Pfarrer großen Einfluss ausübt, sehen die Palikot-Anhänger als Widerspruch zur Idee eines säkulären Staates.

Symbol des Polentums

„Das Kreuz und religiöse Symbole im politischen Kampf in Polen zu verwenden, ist schändlich“, empörte sich Palikot am Freitag in einem Rundfunkinterview.

Sollte bei der ersten Parlamentssitzung am 8. November der Antrag über die Entfernung des Kreuzes zur Abstimmung kommen, würde sich die Palikot-Partei ihre erste parlamentarische Niederlage einhandeln – alle anderen Parteien, einschließlich des Linksbündnisses SLD, haben den Vorstoß kritisiert. „Es wäre eine absolute Verhöhnung des Schlagworts vom modernen Staat, wenn diese Gruppe ihre parlamentarische Karierre mit einem Krieg ums Kruzifix beginnt“, kritisierte Regierungschef und Wahlsieger Donald Tusk. „Das Kreuz ist in Polen nicht nur ein religiöses Zeichen, es ist auch ein Symbol des Polentums“, wandte Tomasz Nalecz, Minister in der Präsidentenkanzlei, ein.