Auf Anordnung von Präsident Dmitri Medwedew stellte am Mittwoch Russlands Archivdienst Akten des sowjetischen Geheimdienstes NKWD ins Internet. Aus den Unterlagen gehe klar hervor, dass Sowjetdiktator Josef Stalin 1940 die Erschießung von etwa 22 000 Soldaten und Zivilisten in Katyn und anderen Orten befohlen habe, sagte Archivleiter Andrej Artisow. Polnische Politiker und russische Historiker begrüßten den Schritt. Sie fordern nun eine volle Rehabilitierung der Opfer."Durchbruch" erreicht In Warschau nannte der Chef des Rates für Kriegsgedenkstätten, Andrzej Krzysztof Kunert, die Freigabe einen "Durchbruch". Bisher seien die Akten nur in Polen bekannt sowie in Russland Fachleuten zugänglich gewesen, sagte er dem Sender TVN24. Medwedew kündigte die Freigabe weiterer Dokumente über Katyn an. "Das ist unsere Pflicht", sagte der Kremlchef. Nach Angaben von Artisow verzeichnete die Internetseite kurz nach der Veröffentlichung bereits zwei Millionen Besucher. Zeitweise sei der Server der Behörde wegen des Ansturms zusammengebrochen. Die Veröffentlichung der Akten gilt als weiterer Schritt zur Aussöhnung in den schwierigen bilateralen Beziehungen.Unterschriften bewiesen, dass alle Nachfolger Stalins im Kreml die Dokumente studiert hätten, sagte Artisow. "Sie nahmen das Verbrechen zur Kenntnis, dann wurden die Akten wieder versiegelt." Die Dokumente enthalten unter anderem ein Schreiben des berüchtigten Geheimdienstchefs Lawrenti Berija an Stalin über die Hinrichtung von Kriegsgefangenen und "Spionen". Moskau hatte lange behauptet, Hitler-Deutschland habe das Massaker verübt, und sich erst 1990 zu seiner Schuld bekannt. Russland sei zu völliger Offenheit über die Hintergründe der Bluttat bereit, sagte der Archivleiter.Der Vorsitzende der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, Arseni Roginski, kritisierte, noch immer seien nicht die Namen aller Opfer bekannt. Weitere Aufarbeitung verlangt Auch die Identität der Mörder müsse endlich gelüftet werden, so Roginski. Im vergangenen Jahr hatte ein Moskauer Gericht eine Rehabilitierung der Opfer mit der Begründung abgelehnt, die sterblichen Überreste seien nicht hinreichend identifiziert worden. Das Oberste Gericht Russlands kippte jedoch vor wenigen Tagen das Urteil und ordnete eine weitere juristische Aufarbeitung des Massakers an. dpa/uf