Die Volksinitiative hatte Anfang des Jahres rund 130 000 Unterschriften gegen die Kreisgebietsreform eingreicht. Wenn der Landtag die Volksinitiative ablehnt, folgt als nächster Schritt auf dem Weg zum Volksentscheid ein Volksbegehren, für das rund 85 000 Unterschriften erforderlich sind. Dazu muss die Volksinitiative ein schriftliches "Verlangen auf Durchführung eines Volksbegehrens" bei der Landtagspräsidentin einreichen. Wenn die Regierung oder ein Drittel der Mitglieder des Landtags das Begehren für unzulässig halten, können sie jedoch laut Brandenburger Volksabstimmungsgesetz binnen eines Monats Klage beim Landesverfassungsgericht einreichen.

Um die Position der Regierung dazu hatte es jedoch vor Ostern Rätselraten gegeben: Während Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) vor dem Landtag an der Verfassungsmäßigkeit der Volksinitiative zweifelte, teilte Justizminister Stefan Ludwig (Linke) per Partei-Newsletter mit, dass er die Initiative für verfassungsgemäß halte. Ministerpräsident Dietmar Woidke hat sich bislang nicht zu den unterschiedlichen Positionen seiner Kabinettsmitglieder geäußert. Auch als am Dienstag vor Ostern Schröter und Finanzminister Christian Görke (Linke) Veränderungen der Reform vorstellten, war der Ministerpräsident nicht anwesend.

Wie Lange in dem Brief schrieb, habe Woidke der Initiative in der Landtagssitzung am 5. April ein Gesprächsangebot gemacht und betont, dass die Tür der Staatskanzlei offenstehe. "Wir wissen Ihr ernsthaftes Angebot zu schätzen und begrüßen es ausdrücklich", so Lange. Ihm erscheine ein "konstruktives Gespräch über die Anliegen der Volksinitiative" aber "sehr schwierig, wenn parallel dazu von der Landesregierung eine Klage in Erwägung gezogen wird." Voraussetzung für einen Dialog sei aus seiner Sicht, "dass Sie die Zulässigkeit der Volksinitiative und die Unterschriften von fast 130 000 Brandenburgern nicht infrage stellen, sondern diese anerkennen und eine gerichtliche Auseinandersetzung eindeutig ausschließen." Deswegen müsse Woidke nun verbindlich klarstellen, ob die Regierung das Landesverfassungsgericht anrufen oder den Dialog führen wolle. Die Staatskanzlei bestätigte gegenüber der RUNDSCHAU den Eingang von Langes Schreiben. "Der Ministerpräsident hat das an ihn gerichtete Schreiben des Herrn Lange erhalten und wird es beantworten", so Vize-Regierungssprecherin Gerlinde Krahnert. Nähere Angaben zum Inhalt des Briefes machte sie nicht.