Ende 2005 hatte der frühere Innen-Staatssekretär Albrecht Buttolo seinen scheidenden Minister Thomas de Maizière (beide CDU) beerbt, der ins Kanzleramt zu Angela Merkel ging. Von ihm übernahm Buttolo die schwere Bürde, die 22 sächsischen Landkreise zu zehn zusammen zu legen und die Landesverwaltung zu reformieren. Das wohl größte Projekt dieser Legislaturperiode. Mehrfach drohte Buttolo an Widerständen bei Landräten, Minister-Kollegen und beim Koalitionspartner SPD zu scheitern. Doch kurz vor Weihnachten konnte er das 680-seitige Gesetzespaket zur Anhörung freigeben. 2007 ist der Landtag gefragt.

Schul-Streit mit Kompromiss
Dicke Bretter hatte auch Kultusminister Steffen Flath (CDU) zu bohren. Sein ehrgeiziges Vorhaben, die alte Oberstufe mit Kursmodell wieder zum Klassenverband zu machen und neben den Sprachen die Naturwissenschaften in den Mittelpunkt zu stellen, ging nur bedingt auf. Nach massiven öffentlichen Protesten wurde mit der SPD ein Kompromiss über mehr Wahlmöglichkeiten erzielt. Ab 2008 sollen die Veränderungen gelten. Gescheitert war dagegen zwischenzeitlich die Reform der Privatschulen. Flath konnte sich mit der Absicht nicht durchsetzen, privaten Berufsschulen angesichts der Halbierung der Schülerzahlen die Gelder zu kürzen. Zum Jahresende setzte er die Novelle jedoch diskret im neuen Doppelhaushalt durch. Flath versteht sich ohnehin darauf, mit kleinen Spitzen in der Union Profil zu gewinnen - als nächster Ministerpräsident? Beobachter halten das für gut möglich.
Nicht nur Spekulationen, sondern handfeste Personalwechsel gab es in den Rathäusern der drei großen sächsischen Metropolen: Im Februar wird Burkhard Jung zum Nachfolger von Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) gewählt, der als Verkehrsminister nach Berlin geht. Die CDU wird mit ihrem Kandidaten Uwe Albrecht den Sozialdemokraten in der SPD-Hochburg erstmals gefährlich. Im Mai wird Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) vom Dienst suspendiert, weil ihm wegen Korruptionsvorwürfen der Prozess gemacht wird. Roßberg wird wegen Untreue, Vorteilsnahme und Beihilfe zum Bankrott verurteilt. Die Revision läuft, Dresden wird seither von Roßbergs Stellvertreter regiert. In Chemnitz tritt Oberbürgermeister Peter Seifert ab - und wird von Wissenschaftsministerin Barbara Ludwig (beide SPD) beerbt, die die OB-Wahl souverän gewinnt. Ersetzt wird sie unter lauten Buh -Rufen aus der CDU von der früheren Bildungsgewerkschafterin und dem Ex-SED-Mitglied Eva-Maria Stange. Doch SPD-Chef Thomas Jurk lässt sich nicht beirren.
Unter Druck gerät im Frühjahr der Fraktionschef der Linkspartei Peter Porsch, als der Landtag mit großer Mehrheit dessen Anklage wegen früherer Stasi-Tätigkeit beschließt. Doch Sachsens Verfassungsgerichtshof weist die Anklage aus formalen Gründen ab - die Frist sei nicht eingehalten worden.

NPD-Zerfall setzt sich fort
Eine Fortsetzung erlebt der Zerfall der NPD-Fraktion. Weihnachten 2005 waren drei Männer aus Partei und Fraktion ausgetreten, 2006 geht der Exodus weiter. Der Abgeordnete Matthias Paul wird wegen Kinderpornos verdächtigt und legt sein Mandat nieder. Sein Ex-Kollege Klaus-Jürgen Menzel fällt mit Hitler-Verehrung und Betrügereien auf und fliegt aus der NPD, später marschiert er mit einem Revolver in den Landtag. Der Parlamentarische Geschäftsführer Uwe Leichsenring stirbt bei einem Autounfall.
Trauriger Höhepunkt des Jahres ist allerdings der Fall Stephanie: Polizei- und Justizpannen bis hin zum live gezeigten Dachausflug des Sexualverbrechers Mario M. machen die Tragödie auch zum politischen Desaster. Während der Prozess in die Revision geht, steht eine Einigung zwischen Freistaat und Familie noch aus.