Im Landkreis Dahme-Spreewald ist die Welt in Ordnung. Der Kreis ist der einzige in ganz Ostdeutschland, der nicht auf finanzielle Schlüsselzuweisungen aus der Landeskasse angewiesen ist. Die Steuereinnahmen alleine der Gemeinde Schönefeld liegen höher als die der meisten Kreise in der Mark. Experten des Potsdamer Finanzministeriums haben ausgerechnet, dass die Flughafengemeinde mit ihren rund 15 000 Einwohnern pro Jahr rund 120 Millionen Euro an Steuern einnehmen kann. Bei den meisten Landkreisen liegt diese Zahl um 90 Millionen.

Mit dieser außergewöhnlichen Bilanz ist die Region zwischen dem Spreewald und dem Berliner Speckgürtel eine ausgesprochen lukrative Partie für alle Nachbarn, wenn es um die Neuordnung der Landkreise geht. "Der LDS muss sich eigentlich absolut keine Sorgen machen, wenn es demnächst um die Kreisgebietsreform geht", sagt Sylvia Lehmann. Sie sitzt seit elf Jahren für die Sozialdemokraten im Potsdamer Landtag.

In der RUNDSCHAU will sie über die Kreisreformpläne sprechen. Das ist bemerkenswert. Denn Sylvia Lehmann hat sich in erster Linie als Sozialpolitikerin in ihrer Fraktion einen Namen gemacht. Es scheint, als wollten die Genossen vor Beginn der offiziellen Diskussion Anfang Juli im Landtag schon einmal testen, auf welche Resonanz ihre Ideen zur Neuordnung der Kreise im weiten Land stoßen. Ein schlauer Schachzug.

Sylvia Lehmann spricht nicht für die Landes-SPD, sondern als Abgeordnete ihres Wahlkreises. Da bleibt genügend Luft danach für Korrekturen aus der Potsdamer Parteizentrale, wenn der Gegenwind zum Orkan werden sollte.

Die Abgeordnete aus Lübben plädiert für die Erweiterung des derzeitigen Dahme-Spreewald-Kreises bis hin zum südlichen Spreewald. "Künftig könnten auch Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) und Burg (Spree-Neiße) mit zu einem neuen vergrößerten Kreis gehören, der am Berliner Stadtrand beginnt", sagt Sylvia Lehmann. Der derzeitige LDS sei ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein finanzieller Ausgleich innerhalb eines Kreises funktionieren kann. So unterstütze der wirtschaftlich sehr starke Norden die schwächere Region im Süden bereits sehr erfolgreich. Lehmann: "Da zahlt sich die Anbindung an die boomende Hauptstadtregion aus. Eine Teilung wäre aberwitzig." Davon könnte auch der erweiterte Süden künftig profitieren. Außerdem befände sich die Spreewaldregion dann in einer gemeinsamen Verwaltungseinheit.

"Klar ist aus meiner Sicht, dass es auch künftig Landesteile geben wird, die keine direkte Ber linanbindung haben", sagt Sylvia Lehmann. Das gilt für die Lausitz im Süden und sicher auch für die Uckermark im Norden. "Für diese Regionen muss künftig ein funktionierender Finanzausgleich innerhalb des Landes festgeschrieben werden. Dabei müssen die Reichen für die wirtschaftlich Schwächeren zahlen."

In der Debatte um das Ende der Kreisfreiheit für Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel macht die Spreewälderin Sylvia Lehmann aus ihrem Herzen auch keine "Mördergrube": "Ich kann die Kollegen aus den betroffenen Städten verstehen, wenn sie das Ende der Kreisfreiheit nicht so gut finden. Aber auch aus verwaltungsrechtlicher Sicht führt daran kein Weg vorbei. Wenn wir die Kreise anfassen, können wir die hoch verschuldeten Städte nicht aussparen", wirbt Sylvia Lehmann für ihre Position. Dabei sollten die dominierenden Städte aber auf jeden Fall auch der Sitz der künftigen Kreisverwaltung sein.

Anfang Juli soll die Reformdiskussion im Landtag mit der Vorstellung eines "Leitbildes 2030" offiziell beginnen. Dann wird es nicht nur um einen veränderten Zuschnitt für die Landkreise gehen, sondern auch um die Neuverteilung von derzeitigen Landesaufgaben auf die dann vergrößerten Kreise. "Insgesamt 22 Aufgaben sollen dabei auf die Regionen übergehen", sagt Sylvia Lehmann. Das sieht die Lübbenerin bisher allerdings kritisch. "Dabei müssen wir aufpassen, dass wir eine , landeseinheitliche Rechtsanwendung‘ erhalten." Und dabei denkt sie an beispielsweise ihr Fachgebiet, die Sozialpolitik. So habe sich in Baden-Württemberg gezeigt, dass die Anerkennung von Schwerbehinderungen in den einzelnen Landkreisen sehr unterschiedlich gehandhabt worden sei. "Das kann innerhalb eines Landes nicht sein", ist Sylvia Lehmann überzeugt.