Die Skepsis vor der Technik schwindet nur langsam. In einer kürzlich veröffentlichten Studie der Telekom-Stiftung kommen Brandenburg und Sachsen nur mittelmäßig weg. Gerade 22 Prozent der Lehrer in Brandenburg nutzen mindestens einmal die Woche Computertechnik im Unterricht. In Sachsen ist es immerhin knapp die Hälfte, was immer noch unter dem Bundesdurchschnitt liegt. 1250 Lehrer weiterführender Schulen wurden für die Studie "Schule digital" von Bildungsforschern der TU Dortmund befragt. Gute Noten bekamen die Nordstaaten Hamburg und Bremen, teilweise auch Bayern.

Wobei die Deutschen in der digitalen Bildung ohnehin nicht gerade als Pioniere unterwegs sind. Bildungsforscher sind uneins, was Smartphones und Tablets in der Schulstunde bringen können. Lehrer fürchten, die Kontrolle über den Unterricht zu verlieren. Die Politik fürchtet Kosten und Aufwand. Auf der anderen Seite macht die IT-Branche Druck. Ebenso Eltern, damit ihre Kinder Umgang mit Digitaltechnik lernen, den sie später im Job brauchen. Am entspanntesten sind die Schüler, sie sind längst mittendrin.

Lehrer wollen klare Ansagen

"Die Methodik verändert sich, aber nicht der Lernprozess", beruhigt Christoph Igel die Skeptiker. Der Experte für Bildungstechnologien hat für das Dresdner Kultusministerium das Modellprojekt "Klassenzimmer der Zukunft" entwickelt. Zu viel Euphorie könne aber auch nach hinten losgehen, meint Igel: Bloß weil die junge Generation eine sehr hohe technische Affinität hat, heiße das nicht, dass man es im Unterricht auch nutzen sollte. Denn: Bis heute fehlt der Beweis, dass das effektiv ist." Was also tun?

Was die Lehrer angeht, wünschen die sich eine klare Ansage vom Land, wie sie Technik nutzen können. Nur ein Drittel der brandenburgischen Lehrer zeigt sich in der Telekom-Studie zufrieden mit dem Medienkonzept des Bildungsministeriums. Das setzt auf Freiwilligkeit an den Schulen. Wer will, kann Geräte anschaffen. Zuständig für die Anschaffung sind die kommunalen Träger - das Ministerium springt nur auf Wunsch mit pädagogischer Beratung und Fortbildung bei. Über 100 Schulen haben nach diesem Modell Tabletklassen eingerichtet. Seit einem Jahr steht im Lehrplan ein Basiscurriculum Medienbildung, demnach sollen Schüler zum Ende der Sekundarstufe I das Wichtigste über Medien wissen. Was genau und wie, bleibt offen.

Echte Konzepte fehlen

Mehr Zufriedenheit in Sachsen: Dort finden laut Studie zwei Drittel der Lehrer im Prinzip gut, was Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) in Sachen Digitalunterricht vorgibt. Das ist allerdings nicht sehr viel: Ein eigenes Schulfach Medienbildung will die schwarz-rote Koalition nicht einführen - die Stundentafel ist eh voll genug. Ansonsten soll das Modellprojekt "Klassenzimmer der Zukunft" erstmal bei der wichtigsten Spielgruppe den Boden bereiten: den Lehrern. Erst die Lehrer schulen, dann Technik an die Schulen bringen, so der sächsische Weg.

Doch ein wirkliches Konzept, wie Unterricht laufen kann und muss, fehlt, wie in den meisten Ländern, auch hier. Die SPD, die auf Bundesebene die Digitale Agenda vorantreibt, fordert jetzt schnellere Schritte. "An den Schulen gibt es keine systematische Vorbereitung auf das digitale Zeitalter", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Holger Mann. Sachsens Lehrerschaft stehe am Anfang eines Generationenwandels, in den nächsten 15 Jahren würden sich die Lehrerkollektive deutlich verjüngen. "Das ist auch eine Chance, um jetzt gute Projekte voranzubringen", sagt Mann. In den gerade beginnenden Verhandlungen um den nächsten Doppelhaushalt dürfte das Thema eine Rolle spielen.