Von Benjamin Lassiwe

Im Streit um den Handel mit angeblich gestohlenen Krebsmedikamenten hat der Mahlower Pharmahändler Lunapharm nun eine Medienoffensive gestartet. Wenige Tage nach Bekanntwerden einer Klage, mit der Lunapharm rund 70 Millionen Euro Schadenersatz vom Land Brandenburg einfordern will, lud die Pharmafirma am Donnerstag zu einer Pressekonferenz in ein Potsdamer Hotel. „Hier ist ein Unternehmen ohne sachliche Grundlage wirtschaftlich vor die Wand gefahren worden“, sagte der Pressesprecher von Lunapharm, Klaus Kocks. „Das ist ein Medien- und Behörden­skandal.“ Sämtliche gegen das Unternehmen erhobenen Vorwürfe wiesen Kocks und die Firmeninhaberin Susanne Krautz-Zeitel zurück.

„Die Position von Lunapharm ist bekannt: Es sind keine Krebsmedikamente in Griechenland als gestohlen gemeldet worden, und es ist keine Hehlerware in Umlauf gebracht worden“, sagte Kocks. Weitere Schadenersatzklagen liefen gegen die Staatsanwaltschaft und den RBB. Im vergangenen Jahr hatte das RBB-Fernsehmagazin „Kontraste“ berichtet, Lunapharm habe mit gestohlenen Krebsmedikamenten gehandelt und diese falsch gelagert. Daraufhin hatte das Brandenburger Gesundheitsministerium in mehreren Schritten der Firma die Großhandels- und Herstellererlaubnis entzogen. Dagegen klagt das Unternehmen vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht. Auch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Lunapharm etwa wegen Hehlerei dauern bis heute an.

In einem weiteren Verfahren wehrt sich die Firma vor dem Landgericht Berlin gegen die „Kontraste“-Berichterstattung: Dabei hatten die Richter vor Kurzem Teile des ursprünglichen „Kontraste“-Berichts als unzulässige Berichterstattung eingestuft, andere Teile seien dagegen zulässig gewesen.

Auch den geforderten Schadenersatz hatte Lunapharm nicht erhalten. Da jedoch beide Seiten in Berufung gegangen sind, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Wegen des Luna­pharm-Skandals musste im vergangenen Jahr unter anderem Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) zurücktreten: Neben schweren Kommunikations- und Führungsproblemen im Ministerium waren während des Skandals unter anderem massive Schwierigkeiten in der Arzneimittelaufsicht des Landes ans Tageslicht gekommen.

Während der Pressekonferenz befragten die für den RBB-Beitrag verantwortlichen Journalistinnen die Vertreter von Lunapharm nach Abhörprotokollen griechischer Behörden, die den illegalen Medikamentenhandel belegen sollen. „Wir bezweifeln, dass diese Dokumente authentisch sind“, so Kocks. Auch für den Handel mit dem Krebsmedikament Herceptin aus Italien habe Lunapharm die nötigen Erlaubnisse gehabt. Das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit wirft dem Unternehmen vor, diesen Handel illegal betrieben zu haben, weil spätestens seit 2014 jeder Händler wissen musste, dass „es auf legalem Weg nicht möglich sei, Herceptin aus Italien zu beziehen“. Doch Kocks wies auch das zurück:„Das gesamte Elaborat des LAVG wird von uns angefochten.“ Wer im Lunapharm-Skandal am Ende richtig liegt, werden wohl die Gerichte entscheiden müssen.