Mit gut dreiwöchiger Verzögerung hat am Dresdner Landgericht am Donnerstag ein dritter Prozess im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die rechtsextreme Freie Kameradschaft Dresden (FKD) begonnen. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft je zwei Männern vor, Mitglieder einer kriminellen Vereinigung gewesen zu sein, und den beiden anderen Angeklagten Unterstützung der FKD. Alle müssen sich zudem wegen gefährlicher Körperverletzung, schweren Landfriedensbruchs und des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verantworten.

Laut Anklage waren die 29- bis 34-Jährigen bei der Gründung der FKD im Juli 2015 dabei. Als eine Art Bürgerwehr mit eigenem Logo und Kleidung sollte die Gruppe Ausländer und Andersdenkende bekämpfen, Asylbewerber durch Übergriffe „in Angst und Schrecken“ versetzen und zur Ausreise veranlassen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Dresdner bei mehreren Aktionen zusammen mit Mitgliedern der rechten Terrorvereinigung „Gruppe Frei­tal“ agierten.

Sie sollen bei rechtsextremen Krawallen vor Flüchtlingsunterkünften im August 2015 in Heidenau Polizisten auch mit Flaschen und Steinen attackiert haben. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihnen zudem vor, am Überfall auf ein linksalternatives Dresdner Wohnprojekt beteiligt gewesen zu sein, wo Buttersäure-Sprengsätze eingesetzt wurden, sowie an der Randale von Hooligans und Neonazis Anfang 2016 im Leipziger Stadtteil Connewitz.

Der Prozess an der Staatsschutzkammer sollte ursprünglich bereits am 23. Oktober beginnen, war wegen Erkrankung eines 31 Jahre alten Beschuldigten aber ausgesetzt worden. Für den Neuanlauf mussten neue Schöffen bestimmt werden.

Der Hauptangeklagte Rene H. ist in Untersuchungshaft. Der kräftige Wachmann und Pegida-Ordner war in den ersten FKD-Prozessen sowie in den Verfahren gegen die „Gruppe Freital“ am Oberlandesgericht von Angeklagten und Zeugen belastet worden. Auch in Thüringen wird gegen ihn ermittelt.

Der Dresdner Prozess ist das dritte Verfahren gegen mutmaßliche „Freie Kameraden“ bei der Staatsschutzkammer des Landgerichts. Sie hat mehr als 40 Verhandlungstage bis Ende Juni 2019 terminiert.

Ermittlungen zu Ausschreitungen 2015 Wohnung Verdächtiger in Heidenau durchsucht

Pirna/Dresden