Wie ägyptische Staatsmedien am Dienstagabend berichteten, brachen die Krawalle aus, als Aktivisten versuchten, die Absperrung der Sicherheitskräfte vor dem Präsidentenpalast zu überwinden. Die Polizei setzte Tränengas ein. Zuvor hatten sich Tausende Oppositionelle auf den Weg in den Stadtteil Heliopolis gemacht, um gegen eine Islamisierung des Landes zu protestieren. Es habe einige Verletzte gegeben, hieß es. Nach Informationen der Zeitung "Al-Ahram", die sich auf hochrangige Sicherheitskreise berief, hatte Mursi zuvor den Präsidentenpalast verlassen.

Gegen Islamisierung

Mit Massenprotesten und einem Medienstreik macht die Opposition unterdessen gegen die Pläne von Präsident Mohammed Mursi für eine Islamisierung Ägyptens mobil.

Am Dienstag erschienen mindestens elf Zeitungen nicht, Journalisten gingen gemeinsam mit vielen anderen Aktivisten auf die Straße. Auf dem zentralen Kairoer Tahrirplatz versammelten sich bereits am Nachmittag Tausende Menschen, um unter dem Motto "Letzte Warnung" ihren Unmut auszudrücken. Die Muslimbrüder warnten vor Gewalt. Mehrere liberale und linke Parteien sowie revolutionäre Gruppen riefen ihre Anhänger zu dem Massenprotest auf. Geplant waren verschiedene Demonstrationszüge in den Stadtteil Heliopolis, wo sich der Sitz Mursis im Ittihadija-Palast befindet.

Online-Zeitung in Schwarz

Der englischsprachige Online-Auftritt der unabhängigen Tageszeitung "Al-Masry al-Youm" war zeitweise schwarz. Dabei erklärten die Medienmacher mit Hinweis auf den Arabischen Frühling: "Sie lesen diese Botschaft, weil Egyptindependent Einspruch gegen die fortdauernde Einschränkung der Pressefreiheit erhebt, insbesondere nachdem Hunderte Menschen (in Ägypten) ihr Leben für Freiheit und Würde geopfert haben."

Die Partei der Muslimbruderschaft "Freiheit und Gerechtigkeit" rief die Demonstranten derweil auf, friedlich zu bleiben. Die Oppositionsführer wie Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei und der Politiker Hamdien Sabahi seien persönlich dafür verantwortlich, betonten die Islamisten. Schließlich habe es auch bei den Aktionen der Muslimbruderschaft am Wochenende keine Gewalt gegeben.

Über die neue Verfassung soll am 15. Dezember abgestimmt werden. Durch die darin enthaltene Ausweitung des Einflusses islamischer Gelehrter wächst die Sorge, dass dies ein erster Schritt in Richtung Gottesstaat sein könnte.