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| 02:38 Uhr

Krasse Hygiene-Mängel an Kliniken

Berlin. Geschätzt etwa 800 000 Patienten infizieren sich jährlich mit gefährlichen Krankenhauskeimen. Genaue Zahlen gibt es nicht. Das ARD-Magazin "Pluinus" hat nun erstmals genauer recherchiert – mit erschreckenden Ergebnissen. sm

Genaue Zahlen kennt niemand. Wie viele Patienten sich mit gefährlichen Krankenhauskeimen infizieren, wird von den Kliniken nicht veröffentlicht. Die Gefahr sich anzustecken, wachse aber, sagte Prof. Walter Popp von der Gesellschaft für Krankenhaushygiene dem Magazin. "Wir sehen ja einen Anstieg insbesondere multiresistenter Keime, die teilweise mit Antibiotika überhaupt nicht mehr zu behandeln sind", erklärte der Fachmann. Das bedeute, das Risiko habe sich erhöht, und gleichzeitig sei die Reinigung schlechter geworden.

Gegen die Keimgefahr sollen Hygiene-Experten vorgehen. Sie sind dafür zuständig, Keiminfektionen zu vermeiden. Sie kontrollieren, schulen Mitarbeiter und überwachen, so "Plusminus". Die Hygieniker sollten zudem Infektionsstatistiken führen.

Grundlage für deren Arbeit ist das Infektionsschutzgesetz. Dennoch erfüllt laut ARD-Magazin mehr als jedes vierte Krankenhaus (26 Prozent) die Hygienevorschriften des Robert Koch Instituts nicht und beschäftigt zu wenig Hygienepersonal. Schlusslicht ist demnach Bremen, wo 43 Prozent aller Kliniken die Vorgaben nicht erfüllten, auf dem vorletzten Platz liegt Thüringen mit 42 Prozent, danach folgt Berlin mit 37 Prozent. In Brandenburg liegen 19 Prozent der Krankenhäuser unter den gesetzlichen Vorgaben, in Sachsen 15 Prozent. Am besten schneidet der Untersuchung zufolge Hamburg ab, wo nur zehn Prozent der Kliniken die Hygienevorgaben verfehlten.

Ob es in Ihrem Krankenhaus ausreichend Hygienepersonal gibt, zeigt die nebenstehende Karte. "Plusminus" und dem Recherchezentrum Correctiv lagen exklusiv Zahlen aus dem Jahr 2014 vor. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass sich die Daten seither verändert haben können.