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Krankenkassenbeitrag bleibt stabil

Für ihre Absicherung bei den Krankenkassen müssen Versicherte im kommenden Jahr mal keine Beitragserhöhung fürchten.
Für ihre Absicherung bei den Krankenkassen müssen Versicherte im kommenden Jahr mal keine Beitragserhöhung fürchten. FOTO: dpa
Berlin. Die gesetzlich Krankenversicherten bleiben im kommenden Jahr voraussichtlich von steigenden Beiträgen verschont. Das geht aus der Prognose des Schätzerkreises beim Bundesversicherungsamt hervor, die die Behörde am Donnerstag in Bonn veröffentlichte. Denn der Zusatzbeitrag, den die Arbeitnehmer allein zahlen müssen, kann laut Schätzung bei 1,1 Prozent bleiben. Stefan Vetter

Gute Nachricht für gesetzlich Krankenversicherte: Der durchschnittliche Kassenbeitrag dürfte auch 2017 unverändert bei 15,7 Prozent bleiben. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Prognose des Schätzerkreises von Versicherungs- und Regierungsvertretern hervor. Allerdings wird die Beitragsstabilität mit einer einmaligen Finanzspritze erkauft. Die RUNDSCHAU erklärt die wichtigsten Details und Hintergründe.

Wie setzt sich der Beitrag zusammen?
Der allgemeine Kassenbeitrag ist gesetzlich festgeschrieben und liegt bei 14,6 Prozent vom Bruttoeinkommen. Er wird zur Hälfte vom Arbeitgeber finanziert. Die andere Hälfte tragen die Arbeitnehmer und die Rentner. Kommt eine Krankenkasse nicht mit diesen zentral über den Gesundheitsfonds zugewiesenen Mitteln aus, kann sie einen Zusatzbeitrag erheben. Er liegt derzeit im Schnitt bei 1,1 Prozent, die allein von den Arbeitnehmern und Rentnern zu schultern sind. Nach der aktuellen Schätzung bleibt der Zusatzbeitrag 2017 unverändert. Für das laufende Jahr war er noch um 0,2 Prozentpunkte gestiegen.

Woher rührt die Beitragsstabilität?
In den vergangenen Monaten gab es teilweise hitzige Debatten über steigende Zusatzbeiträge. So hatte der Spitzenverband der Krankenkassen für 2017 einen Zuwachs um 0,3 Prozentpunkte erwartet. Auch der renommierte Gesundheitsökonom Jürgen Wasem prophezeite, dass der Zusatzbeitrag im kommenden Jahr auf 1,3 Prozent steigen würde. In diese Prognosen ging aber noch nicht ein, dass sich die Bundesregierung auf eine zusätzliche Finanzspritze für die Kassen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verständigte, die aus den Reserven des Gesundheitsfonds und damit aus Beitragsmitteln kommt. Offiziell soll sie die Mehrkosten für die Flüchtlingsversorgung abdecken. Nach Darstellung der Kassen ist ein solches Polster aber noch gar nicht notwendig. Offenbar will die Regierung eine Beitragsdebatte im Bundestagswahljahr vermeiden. Ohne die Finanzspritze müsste der Zusatzbeitrag um etwa 0,1 Prozentpunkte steigen.

Gibt es noch weitere Gründe?
Ja. Entlastend für den Kassenbeitrag wirken auch die guten Wirtschaftsdaten. Gleichzeitig haben viele Experten die Kassenausgaben überschätzt. Bis Ende Juni konnten die Kassen immerhin noch ein Plus von 600 Millionen Euro erzielen.

Was kommt auf Beitragszahler konkret zu?
Das hängt von der Finanzlage der jeweiligen Kasse ab, in der sie versichert sind. Denn unter den 117 gesetzlichen Instituten ist das Geld sehr unterschiedlich verteilt. Das ist auch an den jeweiligen Zusatzbeiträgen ablesbar. So verlangt etwa jede fünfte Kasse schon jetzt einen Zusatzbeitrag von mehr als 1,1 Prozent. Ein gutes Drittel aller Kassen liegt darunter. Bei der nur für Baden-Württemberg geöffneten Metzinger BKK gibt es gar keinen Zusatzbeitrag. Dagegen langt die BKK Braun-Gillette mit 1,9 Prozent am kräftigsten zu.

Was ist nach 2017 zu erwarten?
"Wenn man einmalig eine Finanzspritze gibt, dann wird der Anstieg des Zusatzbeitrages von 2017 auf 2018 umso größer", sagte der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem der RUNDSCHAU. Tatsächlich gab es seit der Wiedervereinigung nur sechs Jahre, in denen die Kassenausgaben nicht stärker gestiegen sind als die beitragspflichtigen Einkommen der Versicherten. Beitragssteigerungen dürften also programmiert sein. Nur eben nach dem Jahr der Bundestagswahl.