Hinzu kommen voraussichtlich weitere 13 bis 14 Milliarden Euro, die sich bei den einzelnen Krankenkassen angesammelt haben werden, weil ihre Ausgaben beispielsweise für Arzneimittel geringer ausfielen als geplant.

Die aktuelle Prognose übertrifft alle Erwartungen - und heizt einen alten Streit neu an: Wohin mit den überschüssigen Milliarden? Für den Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske ist die Sache klar: "Die Kassen müssen signalisieren, dass es sich um die Beiträge der Versicherten handelt. Es gibt keinen Grund, dieses Geld bei den Kassen zu horten", sagte er der RUNDSCHAU. Nur etwa ein Dutzend kleinere der knapp 150 Krankenkassen haben allerdings die Spendierhosen angezogen. Sie schütten jetzt schon Prämien von bis zu 100 Euro aus.

Am heutigen Freitag will auch die Techniker Krankenkasse eine konkrete Rückzahlung beschließen. Mit 8,2 Millionen Versicherten zählt sie zu den größten Anbietern in der Branche. Andere Kassen setzen auf eine Ausweitung ihrer Leistungen. Die meisten Kassen, darunter die AOK, die allein jeden dritten der rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten betreut, legen ihre Überschüsse dagegen für schlechte Zeiten zurück.

Einen gesetzlichen Zwang, die Beitragszahler vom Finanzpolster profitieren zu lassen, gibt es nicht.

Der CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer plädiert angesichts der Reserven zunächst einmal für einen spürbaren Ausbau der Prävention. "Wir sollten die Überschüsse zuallererst nutzen, um nachhaltig in die Vermeidung von Krankheiten zu investieren", sagte er der RUNDSCHAU. Die Unionsfraktion habe bereits ein Präventionskonzept beispielsweise zur Bekämpfung von Burn-out, Diabetes und Herzkrankheiten entwickelt, für dessen Umsetzung einige Hundert Millionen Euro sinnvoll einzusetzen seien.

Gegenwärtig liegt der allgemeine Beitragssatz bei 15,5 Prozent. Ein Beitragssatzpunkt entspricht Einnahmen von 10,7 Milliarden Euro im Gesundheitsfonds. Abzüglich der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestreserve von fünf Milliarden Euro in dieser Geldsammelstelle könnte der Beitrag aufgrund des aktuell prognostizierten Rekord-Polsters theoretisch um 0,7 Prozentpunkte gesenkt werden. Bei einem Bruttogehalt von 3000 Euro wäre das für den Arbeitnehmer eine monatliche Ersparnis von 10,50 Euro. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr lehnt allerdings eine Beitragssenkung ab. Der FDP-Mann ist für eine Streichung der Praxisgebühr, was vor allem bei der CDU auf Widerstand stößt.