Deutlich günstiger hätte der Tunnel ausfallen können, ist Wirtschaftsminister Morlok überzeugt. Dafür hätte sein Haus schon vor seiner Zeit den Bau besser überwachen müssen. Was aber nicht passiert sei: "Die Hausspitze wurde offenbar immer erst informiert, wenn Kostensteigerungen deutlich absehbar waren", kritisiert der FDP-Minister in Richtung seines SPD-Vorgängers Thomas Jurk. Morlok stützt sich auf den Landesrechnungshof, der in seinem Abschluss-Gutachten zum Milliardenprojekt Morloks Vorgängern fehlende fachliche Begleitung attestiert.

Der Tunnel, der Mitte Dezember in Betrieb gehen soll, wird am Ende rund 960 Millionen Euro gekostet haben. Bescheiden im Vergleich zum Prestige-Bahnhof "Stuttgart 21" (mindestens 5,6 Milliarden) und zum Flughafen Berlin-Brandenburg (mindestens 4,3 Milliarden).

Dennoch hatten Freistaat und Bahn bei Projektbeginn im Jahr 2002 nur 572 Millionen eingeplant für die Leipziger Untergrundbahn - das entspricht den Endkosten der umstrittenen Hamburger Elbphilharmonie.

Ausufernde Infrastrukturbauten haben 2011 in Stuttgart nach heftigen Straßenprotesten die Landtagswahl entschieden und sorgen derzeit in Berlin für kollektive Empörung. Die Verdopplung der City-Tunnel-Kosten hatte zur Folge, dass der Landtag nach 2010 den Rechnungshof einschaltete.

Der kam 2011 zu dem Schluss, dass die S-Bahn Tunnel Leipzig GmbH "bekannte kostenrelevante Sachverhalte nicht in Ansatz gebracht" habe. Übliche Risiken, Sicherheitsmargen und Kostenpauschalen seien zu niedrig angesetzt worden. Einige Punkte des Gutachtens liefert der Rechnungshof nun nach.

In einem internen Schreiben an den Haushaltsausschuss des Landtags ist die Rede von "fehlender kontinuierlicher Begleitung" durch das Wirtschaftsministerium.

Für Minister Morlok, von Haus aus Bauunternehmer, ist die Sache klar: Hätte sich sein Vorgänger Jurk regelmäßig über den Bau informieren lassen, wäre manche Schwierigkeit gar nicht entstanden. "Es ist ein Problem, wenn die Mitarbeiter im Hause erst dann zur Leitungsebene gehen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist", sagte der Minister gegenüber der RUNDSCHAU.

Ex-Wirtschaftsminister Thomas Jurk weist das entschieden zurück. Allen Beteiligten sei von Anfang an klar gewesen, dass der City-Tunnel 960 Millionen kosten werde. "Beim Vertrag gab es Nebenabreden, um die Kosten runterzurechnen", erklärt Jurk auf Anfrage. "Wenn man vorher meint, man kriegt es billiger, dann muss man sich hinterher nicht wundern, dass die Kosten steigen." Die Rahmenbedingungen habe er aber auch nur geerbt.