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| 02:50 Uhr

Koschener Kanal macht Lausitzer Seenland größer

Der Koschener Kanal einschließlich der Schiffsschleuse zwischen Senftenberger und Geierswalder See ist nutzbar.
Der Koschener Kanal einschließlich der Schiffsschleuse zwischen Senftenberger und Geierswalder See ist nutzbar. FOTO: Steffen Rasche/str1
Das Meisterstück der Seenkette, der Koschener Kanal, ist vollendet. Tausende haben den ersten nutzbaren und baulich anspruchsvollsten schiffbaren Wasserweg des Lausitzer Seenlandes zwischen Senftenberger und Geierswalder See an diesem völlig verregneten Wochenende in Besitz genommen – mit Begeisterung und überwältigendem Stolz. Kathleen Weser

Großkoschen. Die Schiffsglocke ist geläutet. Die Ministerpräsidenten der Nachbarländer Brandenburg und Sachsen, Matthias Platzeck (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU), haben die Premierenfahrt mit der ersten Schleusung durch den grenzüberschreitenden Koschener Kanal vom Senftenberger zum Geierswalder See gewagt und schadlos überstanden. Begleitet vom Beifall der Lausitzer - und der Senftenberger Seesportler.

Anreiz zum Tagesausflug

Rüdiger Michalik (52), der an der Sachsen-Badewanne aufgewachsen ist und vor nunmehr 37 Jahren in der legendären, international erfolgreichen Schulsportgemeinschaft der Erweiterten Oberschule (EOS) Senftenberg das Segeln erlernt und aktiv betrieben hat, zeigt sich sichtlich bewegt von der Einweihung des ersten nutzbaren der zwölf geplanten Wasserwege. "Die Begeisterung der vielen Menschen ist für mich am beeindruckend sten. Das wird es wohl so nie wieder geben", sagt der Bauingenieur. Für Motorboote sei der schiffbare Kanal, der die Bundesstraße 96 nach Hoyerswerda und die Schwarze Elster unterquert, sehr bequem nutzbar. Die Senftenberger Haudegen auf dem Wasser haben sich gern in die Riemen des Segelkutters gelegt, sind durch die Tunnelbauwerke mit dem eingeklappten Mast aber vom Feuerwehrboot geschleppt worden. Zum attraktiveren Segelrevier werde das Lausitzer Seenland erst mit dem weiteren Wachsen der Seenplatte. "Der Anreiz zum Tagesausflug auf den Nachbarsee ist mit dem Koschener Kanal aber natürlich groß", bestätigt Rüdiger Michalik. Die Seesportler ließen sich schon noch etwas einfallen, um den Mast des Segelkutters ohne Demontagen einfacher umklappbar zu gestalten.

Reibungslose Gegenschleusung

Auch auf dem Geierswalder See sind die Segel gesetzt. Klaus Wiegmann (59) vom 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland zeigt sich begeistert vom schiffbaren Kanal. Acht Sachsen-Boote haben die erste Gegenschleusung "reibungslos" vollzogen. "Wir sind hoch begeistert. Es war schon toll, erstmals zu beobachten, wie sich die Schleusenkammer füllt", sagt der Zahntechniker-Meister, der beruflich in Hoyerswerda tätig ist.

Dabei haben die Sachsen, die vom höher gelegenen See zuerst kanalabwärts unterwegs sind, im Schleusenautomatikbetrieb generell die grüne Ampelphase in Richtung Brandenburg - so an der blauen Säule von Senftenberger Seite kein Bootsfahrer freie Fahrt anfordert.

Schleusenwart Dirk Hartmann (50) vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB), der die Schiffsschleuse in den Hauptverkehrszeiten selbst bedient, hat bereits einen Not-Stopp zu verzeichnen. Ein Bootsführer hat am roten Taster festgemacht - und unbeabsichtigt mustergültig dafür gesorgt, dass der Wasserzufluss in die Kammer stoppt und die Tore verschlossen bleiben. Die Anlage funktioniert nach nur wenigen Tagen des Probebetriebes erstaunlich gut.

Für die Freizeitkapitäne ist die Schleusung noch ein Erlebnis. "Auch die Durchfahrt durch die blau beleuchteten Tunnel ist sehr schön", stellt Klaus Wiegmann fest. "Der Senftenberger See legt die Messlatte hoch. Der Stadthafen und der Kanal sind wirklich toll", sagt der in Braunschweig aufgewachsene Wahl-Lausitzer, der zuvor auf der Nordsee gesegelt ist. "Die kleinen Häfen im Seenland brauchen Alleinstellungsmerkmale, um anders attraktiv zu werden. Mit Mut und Augenmaß muss die Seenplatte weiter entwickelt werden - mit den Menschen vor Ort. Und das sind bei uns in Sachsen auch die Vereine." An der Südböschung des Geierswalder Sees ringt der eigene noch um das Grundstück für ein Vereinshaus mit Bootshalle und weitere Liegeplätze. Der erste Schiffsweg baut zum Glück auch Druck auf für mehr Wind in der Seenland-Entwicklung, stellt der Mann fest, der selbst seit 42 Jahren die Segel setzt.

Für den mutigen Beschluss der Senftenberger Ratsrunde, den künstlichen Wasserweg nach der Fertigstellung zu übernehmen und zu bewirtschaften, zeigt sich Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) am Einweihungstag dankbar. Der Brandenburger Seenland-Verband ist zwar inzwischen praktisch in diese Pflicht eingetreten. Doch die Stadt finanziert den Überleiter 12. Für die Wasserwanderer ist das Schleusen kostenfrei. "Kanäle gehören zu den größten Bauwerken der Welt. Sie haben die Welt kleiner gemacht, Wege und Reisezeiten verkürzt", sagt Fredrich. "Der Koschener Kanal macht das Lausitzer Seenland größer. Denn er erweitert die touristischen Möglichkeiten, ist das verbindende Element zwischen zwei Seen und den Ländern Brandenburg und Sachsen", erklärt Fredrich zur Feier des Eröffnungstages.

Gästeanfragen steigend

Marcus Schmidt (30) aus Altdöbern, der im vergangenen Jahr als touristischer Leistungsanbieter mit einer Mini-Floßflotte am Senftenberger See gestartet ist, "glaubt mit dem Koschener Kanal auch stärker an den unternehmerischen Erfolg". Die Buchungsnachfrage steigt trotz des miesen Sommerwetters durch den Stadthafen und den neuen Wasserweg bereits spürbar.

"Wir müssen jetzt schnell ein Fahrgastschiff aufs Wasser bekommen. Die Leute wollen durch den Kanal", erklärt Reeder Rolf Bothen mit etwas wehmütigem Blick auf seine "Santa Barbara". Das Schiff behält nur Heimvorteil auf dem Senftenberger See. Denn es passt wegen seiner Überhöhe lediglich bei Niedrigwasser, gewöhnlich ab August, durch den Elster-Tunnel. "Das ist kein Konstruktionsfehler am Überleiter", versichert Rolf Bothen. Die Tunnelhöhe der Unterquerung ist von der Lage des Flusses in der Landschaft abhängig. Denn selbst am vollbrachten Meisterwerk der Lausitzer Seenkette sei es unrealistisch, die Schwarze Elster aufwärts fließen lassen zu wollen.