"Silberhochzeit" nannte es Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) dieser Tage, und die Herren murrten ein wenig und schmunzelten sehr. Martin Habermann (CDU), einst Landtagsvize in Brandenburg, Rudolf Heine (SPD) und Jörg Renaud (Linke) sind seit 25 Jahren Stadtverordnete in der Spreewald-Kommune. Sie haben somit Stadtgeschichte geschrieben, oder, nimmt man es genauer: ein Kapitelchen darin.

Denn Lübbenau ist weitaus älter, feiert ab dem heutigen Freitag eine 700 Jahre andauernde Historie. 1315, am 29. September, sitzen Bodo von Ileburg und Ritter Christian Lange der Ältere an einem Tisch auf Burg Luckau. Der Verkauf der Herrschaft Lübbenau wird besiegelt - die Geburtsstunde, die man heute urkundliche Ersterwähnung nennt.

Sie wird sich am morgigen Sonnabend in einem großen Festumzug widerspiegeln, der - so haben es die Veranstalter gewollt - sich durch die Lübbenauer Neustadt schlängelt, jenen Teil also, der Symbol der Industrialisierung der einstigen Ackerbürgerstadt ist. Das dazugehörige Kraftwerk ist abgerissen; Habermann, Heine, Renaud und andere konnten nichts dagegen tun.

Dennoch steht Lübbenau recht gut da. Manche kennen sie als Hauptstadt des Spreewaldes, und wer am Sonnabend sich die Zeit nimmt, ein wenig durch die neustädtischen Wohnquartiere und die Altstadt zu spazieren, wird eine Ahnung bekommen, warum. 16 000 Leute wohnen in der Stadt, die sich 2003 durch Eingemeindungen vergrößert hat. "Die Menschen fühlen sich wohl", sagt der Bürgermeister nicht ohne Stolz in der Stimme. Eine Festwoche ist auch nicht die Zeit, die üblichen Nicklichkeiten hervorzuholen. Es möge vor allem gefeiert werden, sagt Wenzel, die Lübbenauer tun es für die Lübbenauer - und freuen sich über viele Gäste aus der Lausitz.

Karneval zum 50. Geburtstag des Lübbenauer Karneval-Clubs, Freitag, 26. Juni, 18 Uhr, Festzelt Poststraße.
Festumzug am Sonnabend, 27. Juni, ab 15 Uhr in der Neustadt: 1400 Mitwirkende zeigen in 70 Bildern die Geschichte der Stadt, anschließend Musik und Tanz am Kolosseum, am Kulturzentrum Gleis 3 sowie am Spreewaldstadion.
Konzert am Sonntag, 28. Juni, 17 Uhr, Nikolaikirche in der Altstadt, Werke Lübbenauer Kantoren sowie von Paul Gerhardt und Lothar Graap (Eintritt: zehn Euro an der Tageskasse).
Spreewald-Veteranenrallye am Wochenende. 100 Oldtimer präsentieren sich in der Lübbenauer Poststraße.
Kino: Zwei Krimi-Nächte stehen am 30. Juni und 1. Juli auf dem Programm. Am Restaurant "Zum grünen Strand der Spree" am Großen Hafen in der Dammstraße werden jeweils ab 19 Uhr Spreewald-Krimis aus der Reihe des ZDF, aber auch selten gezeigte und vergessene "Polizeirufe" zu sehe sein. Hinzu kommen allerlei Filme mit Lübbenauer Motiven, seien es "Augenzeugen", Reiseberichte oder Imagefilme.
Spreewald- und Schützenfest Altstadt- und Hafenviertel: 2. bis 5. Juli, Donnerstag: Benefizkonzert des Landespolizeiorchesters Brandenburg, 18.30 Uhr, Festzelt Poststraße, zugunsten der ambulanten Hospizarbeit in der Region; Freitag: Ehrung der Schützenkönige 2015 und Schützenball, 19 und 20 Uhr, Schützenzelt, Poststraße; Summer House Beats Bühne Markt, 19 Uhr. Sonnabend: Ab 10.30 Uhr Umzug der Schützen und Spielleute durch die Altstadt in den Schlosspark, 11 Uhr offizielle Eröffnung im Schlosspark mit Salutschießen, 12 Uhr offizielle Eröffnung des Lübbenauer Gurkenmarktes im Großen Hafen, Szenen aus 700 Jahren mit traditionellem Handwerk, Rittern und Spielleuten, mit Jagd, Feuerwehr und Brauerei auf Höfen in der Apothekengasse; ganztägig Bühnenprogramme mit Musik und Tanz. Sonntag: ganztägig Bühnenprogramme, Gurkenmarkt, dazu ab 11 Uhr Internationale Folklorelawine zwischen Schützenzelt und Marktplatz mit Gruppen aus 13 Ländern und Umzug zum Hafen, ab 15 Uhr Großer Kahnkorso im Hafen mit Folkloregruppen und Spreewälder Traditionen, ab 18 Uhr Abba-Show sowie ab 20.30 Uhr Ostrock Deluxe Klassik, jeweils Bühne Markt, ab 23 Uhr Abschlussfeuerwerk.Das Lübbenauer Festjahr klingt Anfang Oktober aus. Im Schlosspark wird jene Verkaufsszene vorgeführt, in der Schloss und Stadt Lübbenau in die Hände des Ritter Christian übergingen. Auf dem Markt wird ein Mittelalterfest gefeiert. Bürger und Abgeordnete wollen in einem "Stadtbrief 2040" vorausblicken auf die dann kommenden 25 Jahre. Sie wissen, dass das Fest auch nur eine Atempause ist zwischen den vielen Herausforderungen, die drängen werden: der Zuzug von Flüchtlingen zunächst in eine ehemalige Schule im Ortsteil Kittlitz, der demografische Wandel, der zu weiterem Stadtumbau zwingen wird, der Abbau der Bahnübergänge, durch den Neu- und Altstadt endlich zusammenwachsen sollen.