Was genau hat Transparency untersucht?
Der regelmäßig aktualisierte "Korruptionswahrnehmungsindex" listet Länder nach dem Grad ihrer im öffentlichen Bereich empfundenen Korruption auf. Dazu werden Untersuchungen von unabhängigen Institutionen in Punktwerte übertragen, die auf Umfragen unter Experten und Geschäftsleuten über ihre Erfahrungen mit Beamten und Politikern in den jeweiligen Staaten beruhen. Der Index resultiert also aus Meinungsbildern und nicht aus den tatsächlichen Korruptionsfällen, was laut Transparency aber die verlässlichste Untersuchungsmethode ist.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
Unter den rund 170 aufgeführten Staaten landet das krisengeschüttelte Griechenland nur auf Rang 94 und schneidet damit EU-weit am schlechtesten ab. Im Vergleich zu 2011 ist das ein Einbruch um 14 Plätze. Dagegen weisen Dänemark, Finnland und Neuseeland die geringste Korruptionsanfälligkeit auf. Schlusslichter sind Afghanistan, Nordkorea und Somalia.

Gibt es eine Verbindung zwischen Euro-Krise und Korruption?
Harte Fakten hat Transparency dafür nicht. Bei Griechenland drängt sich dieser Gedanke allerdings auf. Nach Angaben der in den USA ansässigen Nichtregierungsorganisation "Global Financial Integrity" haben reiche Hellenen zwischen 2003 und 2011 etwa 261 Milliarden Dollar ins Ausland geschafft. Das Geld stamme aus kriminellen Handlungen, Korruption sowie Steuerhinterziehung. Kürzlich hatte ein griechischer Journalist eine Liste mit mehr als 2000 Griechen veröffentlicht, die ihr Vermögen in der Schweiz bunkern sollen. Auffällig ist auch, dass andere EU-Sorgenkinder bei der Untersuchung von Transparency ebenfalls nur mäßig abschneiden: Spanien kommt auf Rang 30, Portugal auf 33 und Italien nur auf Rang 72.

Wie schneidet Deutschland in dem Ranking ab?
Deutschland belegt beim Korruptionsindex den 13. Platz. Vor Großbritannien (Rang 17), den USA (19) und Frankreich (22), aber hinter den Niederlanden (9) sowie Island (11) und Luxemburg (12). Gemessen an vergleichbar hoch entwickelten Industriestaaten liegt Deutschland damit nur im Mittelfeld.

Wie erklärt sich das Resultat für Deutschland?
Die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Edda Müller, zeigte sich gestern davon überzeugt, dass Deutschland um einige Plätze besser dastehen könnte, wenn es beispielsweise eine Verschärfung des Straftatbestands der Abgeordnetenbestechung nicht weiter verzögern würde. Dies wiederum sei Voraussetzung für den Beitritt zur immer noch nicht ratifizierten UN-Konvention gegen Korruption. Zugleich kritisierte Müller es als "Unverfrorenheit", dass die schwarz-gelbe Koalition eine strengere Offenlegung der Nebentätigkeiten von Abgeordneten auf die Zeit nach der nächsten Bundestagswahl verschieben will.

Gibt es konkrete Anzeichen für Korruption in Deutschland?
Transparency International führt hier das Gesundheitswesen an. Nach Angaben ihrer Vorsitzenden Müller würden Ärztekammern kaum Auskunft über mögliche Bestechungen geben. Im Fokus stünden dabei Anwendungsbeobachtungen, bei denen Pharma-Firmen niedergelassenen Ärzten Geld zukommen ließen, wenn diese für angebliche Studienzwecke bestimmte Medikamente verschrieben. Die Antikorruptionsorganisation plant dazu eine gesonderte Untersuchung.