Kormorane, Silberreiher und Fischotter machen den Fischern in Brandenburg und Sachsen das Leben schwer. Doch auch Angelverbote in Natura- 2000-Gebieten und fehlende Förderungen für die Aquakultur stehen auf dem Programm des Deutschen Fischereitags, zu dem sich Hochsee-, Küsten und Binnenfischer in diesen Tagen in Potsdam treffen. Von den 1,2 Millionen Tonnen Fisch, die in Deutschland Jahr für Jahr verzehrt werden, würden deutsche Fischer nur noch 300 000 Tonnen selber fangen, sagte der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbands, Holger Ortel.

In der Binnenfischerei sind es vor allem Schäden durch Raubtiere, die den Fischern zu schaffen machen. Bundesweit gebe es 140 000 Kormorane, die pro Jahr rund 22 000 Tonnen Fisch fräßen, sagte der Präsident des Verbandes der Deutschen Binnenfischer, Bernhard Feneis. Deutschlands Angler würden dagegen nur 20 000 Tonnen Schuppentiere pro Jahr aus den Seen und Flüssen holen. "Es wird zunehmend schwieriger, Naturschutz und Fischerei unter einen Hut zu bringen", betonte Feneis.

In Karpfenzuchten habe man früher einkalkuliert, dass 30 Prozent der Tiere im zweiten Lebensjahr verloren gingen, sagte Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands Brandenburg. Heute seien es 75 Prozent. Derzeit sei weder der Abschuss noch eine Bekämpfung von Kormoranen durch Einölen oder Auskühlen lassen der Gelege möglich. Dazu kämen die Schäden durch Silberreiher oder den aus Tschechien nach Bayern und Sachsen zuwandernden Fischotter. "Wenn in der Lausitz die Teiche abgelassen werden, können sie 200 bis 400 Silberreiher an einem Teich sehen", sagt Dettmann. "Dann ist kein Wasser mehr zu sehen, dann ist alles weiß." Fischotter wiederum würden nicht nur Jungtiere, sondern auch die für die Zucht wichtigen Alttiere angreifen. "Sie gefährden die Grundlage unserer Zuchtarbeit", sagt Feneis. "Wenn es so weitergeht, wird es in Deutschland keine Fischzuchten mehr geben." Die Situation sei für einige Betriebe mittlerweile existenzbedrohend.

Mit Sorge nehmen auch die Binnenfischer und Angler eine Entwicklung im Nord- und Ostseeraum wahr: In den Natura-2000-Schutzgebieten außerhalb der deutschen Küstenzonen, für deren Schutz das Bundesumweltministerium zuständig ist, soll künftig ein absolutes Angelverbot gelten. Damit sollten europäische Vorgaben 1:1 umgesetzt werden, sagt Ortel. "Denken Sie bitte nicht, das wäre nur ein Problem für ein paar Angelkutter - da draußen auf dem Meer werden gerade die Standards gesetzt für die Küstengewässer und das Binnenland."

Für die gesamte deutsche Fischerei bis nach Sachsen und Bayern sei es wichtig, was dort gerade geregelt werde. "Angelverbote sind in Natura-2000-Gebieten nicht erforderlich", machte Ortel deutlich. "Naturschutz und Fischerei schließen sich nicht aus."