Mit dem guten alten Nordlicht-Kommissar hatte das, was Axel Milberg da im Tatort aus Kiel gezeigt hat, wenig zu tun. Vor einer ganzen Weile schon hat Borowski seinem braunen Uralt-Passat den Gnadenschuss verpasst - seitdem wird der Kieler Tatort immer anstrengender. Am Sonntagabend war er besonders anstrengend. Dabei war die Idee gar nicht so schlecht - Crystal Meth kommt in Schleswig-Holstein an. Und zieht junge Menschen ebenso in ihren Bann wie gelangweilte Landwirte auf dem Dorf. Gegen die verlockenden und ausführlich ausgespielten Rauschszenen sind Borowski und Brandt machtlos - kein moralischer Fingerzeig aus der Redaktion des Norddeutschen Rundfunks. Stattdessen der Versuch, die Anziehkraft der Droge in Bildern darzustellen. Das hat funktioniert. Dabei hätten es die Tatort-Macher auch belassen sollen. Stattdessen mussten noch zwei völlig überflüssige Dealer-Trottel über den Bildschirm stolzieren, die dann - auch das musste sein - zu zweit das arme Opfer vergewaltigen. Unnötig. Ebenso wie der kapitale Fehler des Kommissars, die einstige Freundin des Mordopfers mitzunehmen, wenn die beiden Dealer auf frischer Tat ertappt werden sollen. Ganz viel Zeit für die verängstigte Re inkarnation von Borowskis Tochter, ihre Drogenlieferanten zu warnen. Auch unnötig. Und schließlich die nicht ganz nachzuvollziehende Rollenveränderung von Kommissarin Brandt alias Sibel Kekilli, die plötzlich - statt wie bisher den jungen, ambitionierten Gegenpart zum staubigen Borowski zu geben - wie um 30 Jahre gealtert in der Szenerie rumsteht, wenn sie nicht gerade laienhaft "stoßstangenobserviert". Völlig unnötig.