Während Brandenburgs SPD vom deutschlandweiten Stimmungstief der Partei nicht verschont bleibt, profitiert die CDU vom bundesweiten Aufwind der Partei. Im Vergleich zum September 2002, also zurzeit vor der Bundestagswahl, brach die SPD um zehn Prozentpunkte ein. Für die CDU ist die Wähler-Stimmung hingegen so gut wie noch nie seit Bildung des Landes im Jahre 1990. Im Vergleich zur letzten Landtagswahl 1999, wo sie 26,5 Prozent der Stimmen erhielt, konnte sie sich um 8,5 Prozent verbessern. Allerdings wäre die SPD, wenn auch äußerst knapp, weiterhin stärkste Partei – im Gegensatz zum Bundestrend.

FDP und Grüne auf dem Vormarsch
Die PDS, die auf Bundesebene keine Rolle mehr spielt und durch Richtungskämpfe in die Negativ-Schlagzeilen geraten ist, setzt ihren Abwärtstrend fort. Sie bekäme, würde am Sonntag gewählt, nur noch 17 Prozent der Wählerstimmen. Damit hat sie seit der Landtagswahl 1999, wo sie 23,3 Prozent erreichte, rund ein Viertel ihrer Anhänger verloren. Hingegen legen die kleinen Parteien zu, obwohl ein Einzug in den Landtag für die FDP (fünf Punkte) und die Grünen (vier Punkte) immer noch nicht sicher wäre. Die rechtsextreme DVU, die 1999 überraschend 5,28 Prozent der Stimmen bekam und damit in den Landtag einzog, spielt keine Rolle mehr: Zusammen mit anderen Splitterparteien kommt sie nur auf drei Prozent. Allerdings ist ein Viertel der Wahlberechtigten in seinem Wahlverhalten noch unsicher.
Die Umfrage ist am letzten Wochenende (6. bis 9. März) telefonisch unter 1000 Wahlberechtigten erhoben worden, also unmittelbar nach der jüngsten Koalitionskrise. Diese wurde durch die Unterschrift von CDU-Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm unter eine Solidaritätsadresse an US-Präsident George Bush ausgelöst, die schwere Angriffe auf die rot-grüne Bundesregierung enthielt. Die SPD hatte darauf hin mit dem Bruch der großen Koalition und einem rot-roten Bündnis gedroht. Ein erstes Sondierungsgespräch hatte bereits zwischen Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und PDS-Landeschef Ralf Christoffers stattgefunden. Die CDU hatte in dem Streit klein beigegeben.
Doch bei den Wählern würde ein Wechsel derzeit auf wenig Verständnis stoßen. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit (66 Prozent) der befragten Brandenburger ist nach infratest dimap für eine Fortsetzung der großen Koalition. Nur 25 Prozent sprachen sich für Rot-Rot aus. Selbst von den SPD-Anhängern befürworten nur 27 Prozent eine Koalition mit der PDS. 67 Prozent plädieren hingegen dafür, die große Koalition fortzusetzen. Es fällt auf, dass auch jeder dritte PDS-Wähler gegen die von der eigenen Parteiführung angestrebte rot-rote Koalition ist. Nur 58 Prozent der PDS-Anhänger sprechen sich dafür aus, während 34 Prozent für die Fortsetzung der großen Koalition plädieren, also die eigene Partei lieber in der Opposition sehen.

Zurückhaltung in Außenpolitik abgelehnt
Die Forderung von SPD-Politikern während der jüngsten Koalitionskrise, Innenminister Jörg Schönbohm solle sich bundes- und außenpolitisch künftig zurückhalten, wird von einer Mehrheit der Befragten nicht unterstützt. 49 Prozent finden es richtig, dass Mitglieder der Landesregierung zu bundes- und außenpolitischen Themen Stellung beziehen. Nur 43 Prozent unterstützen die Forderung nach Zurückhaltung, um den Koalitionsfrieden nicht zu gefährden. Jörg Schönbohm hatte bereits einen Maulkorb für sich und die CDU abgelehnt.
Während die Anhänger der SPD (50 zu 48 Prozent ) bei diesem Streitpunkt allerdings gespalten sind, ist eine Mehrheit der Unions-Anhänger (55 Prozent) der Auffassung, dass sich brandenburgische Politiker auch nationalen und internationalen Themen zuwenden dürfen. Nur 37 Prozent der CDU-Anhänger sind der Ansicht, dass sich das nicht ziemt. Bei der PDS sagen 43 Prozent, Landespolitiker sollten auch außenpolitisch Stellung beziehen, während 48 Prozent für Zurückhaltung im Interesse des Koalitionsfriedens plädieren.

Hintergrund Platzeck klar vorn
 Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kann für die derzeitige Schwäche seiner Partei nicht verantwortlich gemacht werden. Trotz des Umfragetiefs der SPD ist er mit Abstand der beliebteste Politiker im Lande. Er erhielt von allen Befragten mit 2,4 die beste Durchschnittsnote (in der Skala von 1 bis 6). Die CDU hat mit ihrem Landesvorsitzenden Jörg Schönbohm der Popularität des Ministerpräsidenten wenig entgegenzusetzen. Er bekommt nur die Note 3,4. Schönbohm hatte jüngst erklärt, er wolle bis 2009 weitermachen und Platzeck als Ministerpräsidenten ablösen. Selbst der PDS-Parteichef Ralf Christoffers schneidet mit der Durchschittsnote 3,2 besser als Schönbohm ab.