Von Mathias Hausding

Seit mehr als 90 Jahren werden in Müncheberg Obstsorten getestet. Allein 1000 verschiedene Apfelsorten gibt es auf der 32 Hektar großen Anlage in Märkisch-Oderland, auch „Arche des guten Geschmacks“ genannt. Doch seit Jahren ist die Zukunft des früheren Kaiser-Wilhelm-Instituts für Züchtungsforschung ungewiss. Das Land zog sich aus der Verantwortung zurück, die Finanznot wurde immer größer.

Doch nun hat das Agrarministerium offenbar einen Ausweg gefunden. Der Weiterbetrieb soll dadurch gesichert werden, dass die Versuchsstation in die bisherige Lehranstalt für Gartenbau und Floristik in Großbeeren (Teltow-Fläming) eingegliedert wird. Die von einem Verein getragene Einrichtung hat dafür bereits eigens ihre Satzung und ihren Namen geändert. Der lautet nun: Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik (LVGA).

Geschäftsführer Holger Schulz zeigt sich über die Entwicklung sehr erfreut, obwohl noch „letzte Formalien“ für die Übernahme geregelt werden müssten. „Eigentlich dauert so ein Prozess Jahre, wir wollen das in ein paar Monaten schaffen“, sagte er am Donnerstag. „Die Müncheberger Anlage hat enormes Potenzial. Sie passt ganz wunderbar zu uns.“

Mit der Änderung der Satzung und des Namens habe man in Großbeeren die Weichen gestellt. Neu sei, dass man sich nun auch als Versuchsanstalt begreife und sich dem großen Gebiet der Arboristik, also der Baumkunde widme. In diesen beiden Feldern wolle man von den Müncheberger Versuchsflächen und der dortigen Expertise in Person des langjährigen Leiters Hilmar Schwärzel profitieren. In den vergangenen 25 Jahren hatte man sich in Großbeeren mit zuletzt 17 festen Mitarbeitern und zahlreichen externen Dozenten der Aus- und Weiterbildung im Bereich Gartenbau verschrieben.

Das Agrarministerium schätzt an der gefundenen Lösung, dass die gemeinsame Einrichtung  nun Fördergelder vom Land und anderen Stellen beantragen könne. Das sei für Müncheberg bislang nicht möglich gewesen, da das Land Träger der Einrichtung war.

Vor allem die Rückbesinnung auf regionale Produkte und alte Obstsorten habe die Bedeutung der Müncheberger Versuchsstation gezeigt, sagte Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Er geht davon aus, dass in Kürze die Vereinbarung mit der LVGA unterzeichnet werden könne.

Der bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke zeigte sich erfreut über die Entwicklung. Der jahrelange Kampf um den Erhalt der Anstalt trage nun Früchte. „Die bisherigen Pläne des Ministeriums, wonach ein freiwilliger Förderverein die Aufgaben der Obstbauversuchsanstalt übernehmen sollte, scheinen damit vom Tisch zu sein“, sagte Raschke.

Das jetzige Vorhaben klinge plausibel. „Aber nun kommt es auf die konkrete Ausgestaltung der Kooperation an“, gab Raschke zu bedenken. Er hob hervor, dass für Müncheberg neben dem Posten des Stationsleiters nun vier feste unbefristete Stellen geschaffen werden
sollen.