Synodenpräsident Otto Guse gab die Annahme des Rücktrittsgesuchs am Montagabend vor Journalisten in Dresden bekannt. Guse sagte, Rentzing habe der Kirchenleitung auf Nachfrage zugesichert, seine Rücktrittsankündigung nicht zurücknehmen zu wollen. „Ich bedauere den Rücktritt Rentzings maßlos“, sagte Guse. „Ich habe selten so einen wundervollen Geistlichen erlebt, ich werde mich jederzeit unter die Kanzel setzen, von der er das Wort verkündet.“

Die Landeskirche verbreitete zugleich eine schriftliche Erklärung Rentzings, in der dieser erklärte, es falle ihm leicht, sich von allem zu distanzieren, was in seinem früheren Leben dem Geist des Evangeliums vom Frieden, der Versöhnung und der Liebe Gottes zu allen Menschen widersprach. Dies habe er bereits vor über 25 Jahren auch gegenüber seinem Beichtvater getan.

Den Auslöser des Rücktritts, nämlich Texte, die er vor über 30 Jahren im Magazin „Fragmente" veröffentlicht hatte, und die von Beobachtern durchweg als rechtsextrem eingeschätzt werden, nannte Rentzing in seiner Erklärung freilich erneut nicht. Als die Texte vor über einer Woche bekannt wurden, hatte er seinen Rücktritt angekündigt.

Zuvor hatte es in der Landeskirche längere Diskussionen um die Vergangenheit des Theologen gegeben: Rentzing ist bis heute Mitglied in einer schlagenden Verbindung und hatte 2013 in der zur neuen Rechten zählenden Berliner Bibliothek des Konservatismus einen Vortrag gehalten.

Während zunächst eine von über 900 Personen unterzeichnete Petition den Rücktritt Rentzings forderte, hat eine weitere, auf der rechtskonservativen Internetplattform „Citizen Go“ veröffentlichte Petition für den Verbleib Rentzings bereits mehr als 20 000 Unterschriften. Allerdings kann man diese Petition auch unterzeichnen, ohne dass die Angaben zur eigenen Person geprüft werden.

Guse kündigte am Montagabend auch eine Sondertagung der Landessynode an, die aus formalen Gründen als eine „erweiterte Präsidiumssitzung“ stattfinde. Sie soll am 2. November in Dresden stattfinden. Dabei wollen Kirchenleitung und Landeskirche über das weitere Vorgehen beraten.

Auf der Synode werde man sich damit beschäftigen müssen, wie die Landeskirche künftig mit zwei Fragen umgehen werde: „Wie gehen wir in Zukunft mit der medialen Präsenz von Personen um?“, sagte Guse. Dies impliziere die Frage, ob eine Petition ein geeignetes Mittel sei, Personalfragen zu klären. Zudem müsse man sich mit der Frage beschäftigen „was ist rechtsextrem und was ist ein wertkonservativer Christ?“ Die Landeskirche müsse hier klare Abgrenzungen treffen.

Die Wahl eines Nachfolgers von Rentzing werde dann am 29. Februar und 1. März stattfinden.

Vor dem Landeskirchenamt war am Abend eine Mahnwache von rund 150 Personen zusammengekommen. Mit Blasmusik und Transparenten demonstrierten sie für den Verbleib Rentzings im Amt. Ihm gehe es vor allem „um die Einheit der Kirche“, sagte der Dresdener Rechtsanwalt Christoph von Mohl, der die Demonstration angemeldet hatte. Er war 2015 auch Mitgründer der Christen in der AfD, hat die Partei aber nach eigenen Angaben mittlerweile verlassen.