Der löste das Gerechtigkeitsproblem im Fall "Wolf gegen Lamm" Jahrtausende lang dadurch, dass er den Wolf vorsichtshalber abschoss. Oder zumindest in die Flucht schlug.

Heute geht das allerdings nicht mehr. Muss auch nicht, denn esgibt es Zäune. Mit denen schützt der Schäfer seine Herde - und die tierfreundlichen Umweltbehörden schützen damit das seltene Raubtier.

Damit der Schutz auch funktioniert, finanziert die EU diese Elektrozäune zu 60 Prozent. Bleibt noch ein Problem: Wer stellt die Zäune auf? Der Sebnitzer CDU-Landtagsabgeordnete Jens Michel spannt dazu gern seine Parteikollegen ein. Im Frühjahr bestellte er Umweltminister Frank Kupfer in die Sächsische Schweiz: zum Zaunaufstellen im strömenden Regen. Vergangene Woche war Petitionsausschuss-Mitglied Lothar Bienst dran, ebenfalls im Regen. Da kennt Michel keine Gnade: "Naturschützer haben zu realisieren, dass die Wiederansiedlung des Wolfs in der Bevölkerung nicht als Geschenk angesehen wird", sagt er. Dass eins klar ist: Wenn ein Wolf durch "atypisches Verhalten" auffällt, muss geschossen werden dürfen.

Während also die sächsische Schweiz schon gedanklich durchlädt für den atypischen Fall, dass ein hungriges Wolfsjunges auf der Suche nach Mama die Nase aus dem Hohwald hält, streitet Hoyerswerda über ein Krokodil. Das ist eigentlich ganz niedlich, hat auch noch keinen Flurschaden angerichtet, noch keine Lämmer gerissen - aber es hat einen schwierigen Namen. Da nützt es auch nichts, dass das Kubakrokodil-Baby und seine sechs Geschwister als zoologische Sensation gefeiert werden. (Nur 4000 dieser Krokodile gibt es noch.)

Wer "Fidel Castro" heißt, der muss im schwarz-gelb regierten Sachsen mit Schwierigkeiten rechnen. Und schon will der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) dem Zoo die Kulturraumförderung streichen, weil ein Tier, das so heißt nicht mit den Leitlinien des Kulturraums vereinbar sei. Der Name des kommunistischen Diktators des Inselstaats ist Lange schlichtweg "zu politisch". 400 000 Euro jährliche Förderung, die der Zoo dringend braucht, wären damit futsch.

Um des lieben Friedens willen, würde der Zoo nun sogar den "Castro" abhängen. Das Krokodil stünde so ohne Nachnamen da. Ob "Fidel" alleine aus bürgerlich-konservativer Sicht in Ordnung geht, muss noch CDU-intern geprüft werden.

Die Grünen gibt es übrigens auch noch. Trotz magerer 8,4 Prozent bei der Bundestagswahl Ende September, trotz Sinnkrise und Selbstzerfleischung fallen die Recken der Öko-Bio-Sponti-Boheme-Neukonservativen-Verbotspartei immer noch durch Originelles auf.

Beispiel Windkraft: So umweltfreundlich die scheinen mag, bringt sie doch leider ein Grundproblem mit, für das bislang die Lösung fehlt: Was tun, wenn der Wind mal nicht weht? Die Lösung liefert die sächsische Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau. In der Energiedebatte im Dresdner Landtag warf Hermenau jüngst ein: "Wir könnten einen politischen Dampfplauderer davorstellen."