Bereits in der Nacht zu gestern war es in Kinshasa zu einer Schießerei gekommen, bei der nach UN-Angaben mindestens sechs Menschen ums Leben kamen. Sicherheitskräfte der beiden Politiker, die Ende Oktober in einer Stichwahl gegeneinander antreten müssen, hatten sich gegenseitig beschossen. Präsident Joseph Kabila und sein Stellvertreter, der frühere Rebellenchef Jean-Pierre Bemba, schnitten bei der als historisch gewerteten ersten freien Wahl in der Geschichte des Landes als Beste unter den 33 Kandidaten ab.

Wahlbeteiligung 70,5 Prozent
"Ich habe keinen Zweifel, dass sie diesen Sieg festigen werden", erklärte ein siegessicherer Kabila seinen Lands leuten in einer Fernseh-Ansprache. Er dankte den Wählern, dass sie Ende Juli nicht nur friedlich und diszipliniert beim Urnengang gewesen seien, sondern mit einer Beteiligung von 70,5 Prozent ihr Votum auch auf eine breite Basis gestellt hätten. Im ersten Wahlgang hatte Kabila mit 44,8 Prozent die meisten Stimmen auf sich vereinigt, aber die absolute Mehrheit verfehlt. Bemba dagegen kam mit 20,03 Prozent auf etwas weniger als die Hälfte.
Das Ergebnis hatte sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet und kam kaum überraschend. Ungewissheit dagegen herrschte angesichts der Frage, ob die Wahlverlierer den Ausgang akzeptieren. Das vorliegende Zahlenwerk macht deutlich, dass es bei der ersten freien Wahl seit 40 Jahren eine Ost-West-Kluft gegeben hat. Kabila hat vor allem den Osten hinter sich geschart, der noch immer von Milizen terrorisiert wird. Dort ist die Sehnsucht nach Frieden und Stabilität sehr ausgeprägt. Bemba dagegen hatte sich im Wahlkampf als "hundertprozentiges Landeskind" von dem im Exil aufgewachsenen Kabila abgesetzt und damit im Westen und in Kinshasa Erfolg gehabt.
Dort ließen die Schießereien nicht nur die Bevölkerung aufhorchen. Denn die Präsenz von 17 000 UN-Soldaten sowie ein UN-Truppenkontingent unter deutscher Führung hatten in dem Land bisher Gewaltexzesse verhindert. Und die waren in der turbulente Geschichte bisher eher Regel denn Ausnahme. Die bange Frage auf den Lippen von Beobachtern und Kongolesen war daher, ob es sich bei den Feuergefechten um Einzelfälle oder ein Fanal für weitere Gewalt handelt, die neue Leidenschaften schürt und Spaltungen und Konfrontationen auslöst.

Gefahr einer Polarisierung
Die internationale Gemeinschaft hatte sich das Ganze etwas kosten lassen. Der Preis allein für den ersten Wahlgang war mit einer knappen Milliarde Dollar enorm. Nun muss in dem rohstoffreichen, aber infrastrukturell nur schwach entwickelten Land erneut ein Urnengang organisiert werden. Eine Mammut-Aufgabe, die viele Kräfte binden wird und auch die Gefahr einer Polarisierung verschärft. Die Wahlen sollen nach jahrelangem Bürgerkrieg den Wiederaufbau des Kongo sowie den Übergang zu demokratischen Strukturen ermöglichen.