Die Lage der dort eingeschlossenen Zivilisten sei "definitiv eine der katastrophalsten", die ihm je untergekommen sei, sagt er. Umstellt von der Armee, festgehalten von Tamilen-Rebellen, gefangen im Kreuzfeuer und abgeschnitten von Hilfslieferungen sterben dort seit Wochen Hunderte Zivilisten. Die Armee hat die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), die einst große Teile des Nordens und Ostens der Insel kontrollierten, in den vergangenen Monaten immer weiter zurückgetrieben. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Colombo sind die Rebellen inzwischen auf einem Küstenstrich von nur noch 55 Quadratkilometern Fläche eingekesselt - das entspricht etwa einem Viertel des Stadtgebiets von Hannover. Im Kampfgebiet sitzen Schätzungen von Hilfsorganisationen zufolge noch zwischen 150 000 und 200 000 tamilische Zivilisten fest, die Regierung in Colombo geht von 70 000 Zivilisten aus. Der letzte der einstmals wöchentlichen Hilfskonvois ins LTTE-Gebiet, dem die Regierung die Passage erlaubte, fuhr am 29. Januar.Seitdem hat sich die Situation der Zivilisten im Nordosten dramatisch verschärft. Es mangelt an Wasser, Lebensmitteln und Medizin, der LTTE-nahe Internetdienst Tamilnet meldete bereits vor Tagen Hungertote. Und es wird geschossen. "Dort ist schweres Artilleriefeuer, beinahe ohne Unterlass, (es gibt) keinen Platz, wohin die Menschen rennen können", sagt Annemarie Loof, Chefin von Ärzte ohne Grenzen in Sri Lanka. Zivilisten suchten in Erdlöchern Schutz. UN-Sprecher Gordon Weiss kritisiert: "Es gibt praktisch keinen humanitären Zugang zu der Enklave." Für das Leid machen sich die Konfliktparteien gegenseitig verantwortlich.Die wenigen Zivilisten, denen die Flucht gelingt, steckt die Regierung in Internierungscamps, die westliche Kritiker als "Konzentrationslager" bezeichnen. Keinen Zweifel gibt es, dass die LTTE Unbeteiligte gewaltsam festhält. Die Regierung wiederum, so sagen Beobachter, hofft mit der Verweigerung von Hilfslieferungen, den Leidensdruck zu erhöhen und die Zivilisten trotz der Drohungen der Rebellen zur Flucht zwingen zu können. Beide Seiten wissen, dass die Truppen die LTTE-Kämpfer binnen Tagen überrennen würden, müssten die Soldaten nicht Rücksicht auf Unbeteiligte nehmen. Viel mehr als ein Mindestmaß an Rücksicht bringt die Armee aber nicht auf. Tamilnet meldete am Donnerstag, am Vortag seien bei Artilleriebeschuss der Armee mindestens 70 Zivilisten in einer "Sicherheitszone" getötet worden, darunter mehr als 20 Kinder.