Nach Informationen der RUNDSCHAU werden hinter den Kulissen bereits - ohne Auftrag, und aus Sorge um den Ruf Potsdams und des Landes - viele informelle Sondierungsgespräche geführt: Dabei spielen offenkundig auch Sorgen vor einer neuen "Eiszeit" im Verhältnis von SPD und PDS sowie vor einer "Unregierbarkeit Potsdams" eine Rolle. PDS-Politiker befürchten, dass sich das Thema Rot-Rot auf Landesebene auf lange Zeit erledigt haben könnte, wenn "der Potsdamer Knoten nicht aufgelöst wird". Daran muss auch die SPD ein Interesse haben.
Ein maßgeblicher Sozialdemokrat sagte gestern: "Bleibt die Lage so, bekommt Oberbürgermeister Jakobs in der Stadt nichts mehr durch." Für die Stadt, darüber sind sich beide Seiten wohl im klaren, wäre das verheerend. Auch der SPD-Ehrenvorsitzende und Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe sieht "die Stadtpolitik in der Krise". Verlässlichkeit sei nicht gegeben.
Vor allem Landespolitiker plädieren vor diesem Hintergrund für eine Annäherung von SPD und PDS: Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Christoph Schulze, sagte: "Alle sollten kühlen Kopf bewahren und aufeinander zugehen." Er setze sich dafür ein, dass mit der PDS bald Gespräche geführt werden, "um Kompromisslinien auszuloten." Ausgrenzung führe zu keiner Lösung. Es müsse möglich sein, "dass die drei großen Parteien einen Konsens finden, im Landtag haben wir das auch geschafft", sagte Schulze, der darauf hinwies, dass es nicht um irgendein kommunales Bauprojekt gehe, sondern um den künftigen Sitz des Verfassungsorgans des Landes.
Auch Heinz Vietze, der parlamentarische Geschäftsführer der PDS-Fraktion, betonte: "Man muss jetzt nachdenken und dann über die Sache reden. Wir tragen gemeinsam Verantwortung für Potsdam als Stadt des Weltkulturerbes. Deshalb müssen Parteiegoismen zurückgestellt werden."
Vietze meinte, dass im Vorfeld der Abstimmungen nicht alle Möglichkeiten genutzt worden seien, eine Mehrheit für den Landtagsneubau im Stadtparlament zu gewinnen. "Warum sind zum Beispiel die Stadtverordneten nicht in den Landtag eingeladen worden, warum hat man nicht mit ihnen geredet?" Auch Schulze sagte, es seien "Fehler von allen" gemacht worden.