Von Bodo Baumert

Es ist eine Mammutaufgabe, die auf die Wahlleiter und Wahlhelfer in Brandenburg und Sachsen zukommt. Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai müssen Kreistage, Stadtverordnetenversammlungen, Gemeindevertretungen, Ortsbeiräte und Ortsvorsteher gewählt werden. Hinzu kommen mancherorts noch die ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Bürgermeister. Und ganz nebenbei wird ja auch noch über das Europaparlament abgestimmt.

Doch während es bei der Wahl der Europaabgeordneten noch vergleichsweise übersichtlich aussieht, ist bei den Kommunalwahlen allein schon die Fülle an zu besetzenden Gremien erschlagend. Ein Beispiel? In Spree-Neiße müssen die lokalen Parlamente für 29 Gemeinden gewählt werden, macht 394 zu wählende Vertreter. Hinzu kommen 21 ehrenamtliche Bürgermeister, 50 Mitglieder des künftigen Kreistages und ungezählte Ortsbeiräte oder Ortsvorsteher.

Für den einzelnen Bürger bedeutet dies: Bis zu fünf Wahlzettel müssen ausgefüllt werden. Die Zahl der Kreuze ist noch größer, da bei der Kommunalwahl jeder Bürger drei davon pro Wahlzettel abgeben darf – quer über alle Parteien und Wählerlisten auf dem Stimmzettel.

Bis zur Stimmabgabe sind es ja aber zum Glück noch rund zwei Monate. Und die RUNDSCHAU hilft bei der Übersicht. Wir zeigen, auf welche Themen es in den Kommunen ankommt und wer kandidiert. Beginnen wollen wir heute mit den Kreistagswahlen:

Wie viele Sitze gilt es in den jeweiligen Kreistagen zu besetzen?

Das hängt von der Einwohnerzahl ab. In Brandenburg sind es 50 oder 56. In den deutlich größeren sächsischen Landkreisen hingegen 98 (Bautzen) beziehungsweise 86 (Görlitz). Insgesamt stehen also 446 Lausitzer Mandate zur Wahl.

Wie viele Bewerber gibt es?

Nachdem in den vergangenen Tagen die jeweiligen Wahlausschüsse getagt haben, stehen die Kandidaten für die Kreistage beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung der kreisfreien Stadt Cottbus nun fest. Insgesamt sind es 2365. Die größte Anzahl an Bewerbern findet sich mit 393 im Landkreis Dahme-Spreewald. Umgerechnet auf die Zahl der zu vergebenden Sitze ist die Chance, in den Kreistag gewählt zu werden, in Bautzen am besten. Hier kommen vier Kandidaten auf einen Sitz. Ganz anders sieht es in Dahme-Spreewald aus, wo sieben Bewerber um jeden vorhandenen Platz im Kreistag buhlen.

Was sind das für Kandidaten?

Betrachtet man die Berufsangaben, die jeder Bewerber ausfüllen muss, ergibt sich ein buntes Bild des Kandidatenfeldes. Vom Künstler bis zum Maurer, von der Friseurin bis zum Hochschulprofessor, von der Erzieherin bis zum Gerontologen, vom Detektiv bis zum Zoologen ist alles dabei. Wollte man einen Film drehen, fände man auf den Kandidatenlisten wohl die komplette Crew. Ein Regisseur aus Dahme-Spreewald, ein Ton-Ingenieur aus Elbe-Elster, ein Kameramann aus OSL und gleich mehrere Schauspieler lassen sich finden. Zwei Kandidatinnen geben „Hausfrau“ an, drei Bewerber „arbeit­suchend“.

Vergleichsweise häufig taucht die Berufsbezeichnung „Landwirt“ auf. So bringt es die Wählergruppe Landwirtschaft, Umwelt und Natur in Elbe-Elster im Wahlkreis I auf zwölf Landwirte auf ihrer Liste, im Wahlkreis II sind es neun.

Einen Dr.-Titel haben 58, ein Professor steht vor neun Namen auf den Bewerberlisten. Das Adlige „von“ findet sich vor vier Namen.

Treten eigentlich nur Rentner an?

Nein, auch im Alter ist das Feld der Bewerber bunt gemischt. Die Palette reicht vom Schüler mit Geburtsjahr 2001 bis zum Rentner aus dem Geburtsjahr 1934, der den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt hat. Das Durchschnittsalter liegt in Cottbus und Görlitz beispielsweise bei 51 Jahren.

Wie sieht es mit der Frauenquote aus?

Im Durchschnitt ist etwa jede vierte Person auf den Bewerberlisten weiblich. In Cottbus sieht es etwas besser aus, hier stellen die Frauen ein Drittel der Kandidaten, in Spree-Neiße nur ein Fünftel.

Wie viele Listen und Parteien treten eigentlich zur Wahl an?

Das ist unterschiedlich, je nachdem welches Gremium in welchem Ort gewählt wird. In Brandenburg hat der Landeswahlausschuss insgesamt 19 Parteien zur Kommunalwahl zugelassen. Darunter auch die von der Satiretruppe „Die Partei“ der ehemaligen Titanic-Redakteure gegründete „Partei der Sorben“, die mit dem Kürzel „PDS“ für Verwirrung stiften will. Für die Kreistagswahlen in der Lausitz hat diese „PDS“ bisher aber keine Kandidaten aufstellen können. Dafür finden sich hier zahlreiche lokale Wählervereinigungen wie etwa eine „Wählergruppe Herzberg Zählt“ oder eine „Aktionsgruppe gegen soziales Unrecht Senftenberg“. Die größte Auswahl haben Wähler in LDS, wo bis zu 14 Listen auf dem Wahlzettel stehen. Im Kreis Bautzen sind es hingegen nur neun.

Eine Beschwerde gibt es noch. Die Unabhängige Liberale Wählergruppe aus Dahme-Spreewald hat diese eingelegt, weil ihr Wahlvorschlag vom Kreiswahlausschuss aufgrund fehlender Unterstützungsunterschriften zurückgewiesen wurde. Über die Beschwerde muss nun der Landeswahlausschuss am Donnerstag entscheiden.

Gibt es eigentlich mehr Kandidaten als bei früheren Kreistagswahlen?

Ja und nein. In OSL beispielsweise lässt sich seit 2008 ein stetiger Zuwachs der Bewerber um die Kreistagssitze erkennen. Von 254 auf 279 und nun 301. In SPN läuft der Trend entgegengesetzt. Hier sinkt die Zahl der Kandidaten seit 2008 von 273 über 259 auf nun 257.

Gibt es Prominente auf den Listen?

Bei einigen Parteien finden sich Landtags- und sogar Bundestagsabgeordnete auf den Listen, die mit ihrer Bekanntheit Stimmen ziehen sollen. In Cottbus taucht eine Ministerin der brandenburgischen Landesregierung auf.

Prominenz der ganz anderen Art gibt es dort, wo Kandidaten die Namen berühmter Personen tragen. So finden sich auf den Listen in der Lausitz neben einem „Alf“ oder „Heino“ auch „Gerd Richter“ und „Lazarus“, den Jesus einst von den Toten aufgeweckt haben soll. Auch die Namen einiger ehemaliger oder aktueller Fußballer lassen sich wiederfinden, etwa Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann, René Schuster, Markus Münch oder Mathias Lehmann. Mit Sven Benken kandidiert in Cottbus sogar tatsächlich ein ehemaliger Bundesligaspieler. Eine solide Abwehr ließe sich damit schon formen.

Wie geht es weiter?In den kommenden Wochen müssen die Wählerlisten angelegt, Wahlvorstände geschult und die letzten Vorbereitungen für die Wahl getroffen werden. Für die Kandidaten beginnt die heiße Phase des Wahlkampfes. Die RUNDSCHAU berichtet in ihren jeweiligen Lokalteilen über die Themen, die vor Ort für die Wahlentscheidung wichtig sind. Alle Artikel zu den Wahlen finden Sie auf
www.lr-online.de/wahlen

Die 2365 Kandidaten für die Kreistage werden wir in Kürze auf einer Online-Plattform mit ihren Wahlversprechen präsentieren.