Von Peggy Kompalla

Hat die CDU bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren noch in der Wählergunst ganz vorn gelegen und damals die SPD als stärkste Kraft im Cottbuser Stadtparlament abgelöst, verlieren die Christdemokraten am Sonntag die meisten Stimmen bei der Kommunalwahl. Die AfD setzt sich in allen vier Wahlkreisen an die Spitze. Allgemein gilt: Die großen Parteien verlieren, die kleinen legen zu. Mit einer Ausnahme: Die NPD verschwindet. Dabei zeigen sich Unterschiede im Wahlverhalten zwischen der Stadt- und den dörflich geprägten Ortsteilen. Es wird schwieriger, Mehrheiten zu gewinnen.

Die Cottbuser haben die AfD zur klaren Gewinnerin gemacht. Die Partei dominiert sowohl in der Stadt als auch in den Ortsteilen und geht mit einem satten Plus von 15,1 Prozent aus der Kommunalwahl hervor. Damit schafft es die AfD von einer kleinen Fraktion mit drei Sitzen – dem Minimum zur Bildung eines solchen politischen Zusammenschlusses – zum stärksten Block im neuen Parlament mit elf Sitzen. Trotzdem stellt sie damit nicht die Mehrheit. Um Projekte durchzubekommen, ist die AfD weiterhin auf Partner angewiesen.

Die CDU büßt die meisten Stimmen und damit Sitze ein. Sie verliert 10,5 Prozent gegenüber der Kommunalwahl 2014 und schrumpft von 13 Sitzen auf neun. Trotz der herben Verluste bleiben die Christdemokraten zweitstärkste Kraft im Cottbuser Parlament.

Bei Linke und SPD setzt sich der Abwärtstrend der vorherigen Wahl weiter fort – mit einem Minus von 7,3 und 5,3 Prozent. Beide Parteien verlieren damit auch an Bedeutung in der Bürgerschaftsvertretung. Hatten sie bislang jeweils zehn Sitze inne, stellt die SPD künftig acht Abgeordnete und die Linke sieben.

Die Cottbuser haben vor allem den kleinen Parteien und Wählergemeinschaften ihre Stimmen gegeben. Dazu gehören die Grünen. Sie legen mit 2,8 Prozent zu und werden mit einem zusätzlichen Sitz im Parlament belohnt. Damit stellen die Grünen künftig vier Vertreter. Trotzdem kommt die klassische Koalition von Rot-Rot-Grün auf keine Mehrheit.

Die FDP punktet ebenfalls bei den Wählern und bekommt genau ein Prozent mehr. Damit sind die Liberalen künftig mit zwei Abgeordneten im Parlament vertreten. Das reicht allerdings nicht aus, um eine eigene Fraktion zu bilden. Die FDP muss sich also wieder einen Partner suchen, um Vertreter in die Fachausschüsse und Aufsichtsräte schicken zu können. In der vergangenen Legislatur war der FDP-Abgeordnete zunächst bei der CDU untergekommen, wechselte später allerdings zu Unser Cottbus. Ob eine dieser Konstellationen erneut zustande kommt, werden die nächsten Wochen zeigen.

Die AUB geht mit einem marginalen Plus aus der Wahl hervor. Die Bürgerfraktion legt um 0,3 Prozent zu. Damit stellen die Aktiven Unabhängigen Bürger erneut drei Abgeordnete. In der vergangenen Legislaturperiode gehörte die SUB zur Fraktion. Der Abgeordnete hat es erneut ins Parlament geschafft.

Unser Cottbus (UC) ist bei der Kommunalwahl am Sonntag erstmals angetreten, obwohl die Vereinigung bereits als Fraktion im Parlament saß. Sie war Anfang 2018 von zwei Stadtverordneten gegründet worden, die zuvor mit ihrer Partei, die Linke, gebrochen hatten. Die Wählergemeinschaft schafft es auf Anhieb auf 9,4 Prozent und bekommt fünf Sitze im Hohen Haus. Die Fraktion stellt nach der AfD die meisten Politikneulinge.

Die NPD schafft es nicht mehr ins Stadtparlament.

Im dörflichen Cottbuser Norden schafft die AUB ihr bestes Ergebnis. Im Wahlkreis 1 (Sielow, Döbbrick, Skadow, Schmellwitz, Saspow, Willmersdorf, Merzdorf, Dissenchen) kommt die Bürgerfraktion auf 7,5 Prozent. Auch die FDP ist dort am stärksten mit 4,7 Prozent. Ganz klar vorn liegt die AfD (23,7 Prozent), gefolgt von CDU (19,4 Prozent), Linke (12,4 Prozent) und SPD (11,7 Prozent).

Ein wahres Kopf-an-Kopf-Rennen liefern sich die Parteien und Wählergruppen in der Cottbuser Innenstadt im Wahlkreis 2 (Mitte, Ströbitz). Zwar liegt auch dort die AfD vorn – allerdings mit 17,2 Prozent deutlich unter dem Cottbuser Durchschnitt. Die Linke folgt an zweiter Stelle mit (15,9 Prozent) mit ihrem besten Ergebnis. Die SPD bringt es knapp auf den dritten Platz mit 14,2 Prozent. CDU und Grüne liegen gleich auf mit 13,6 Prozent. Das ist das stärkste Ergebnis der Grünen. Genauso wie für Unser Cottbus. In der Innenstadt wählen sie 12,6 Prozent.

In den südlichen Stadtteilen im Wahlkreis 3 (Spremberger Vorstadt, Sachsendorf) fährt die SPD ihr stärkstes Ergebnis mit 19,8 Prozent ein. Allerdings liegt sie auch dort deutlich hinter der AfD, die 23,5 Prozent bekommt. Danach folgt die CDU mit 16,1 Prozent und knapp dahinter die Linke mit 15,4 Prozent.

Im Cottbuser Süden im Wahlkreis 4 (Sandow, Branitz, Madlow, Kiekebusch, Groß Gaglow, Gallinchen, Kahren) hat die AfD ihren größten Zuspruch. Dort bringt sie es knapp auf ein Viertel der Stimmen mit 24,9 Prozent. Danach folgt die CDU mit 19,5 Prozent. Auch die Christdemokraten haben im Süden den stärksten Zuspruch. Danach folgen die SPD (17,1 Prozent) und die Linke (11,5 Prozent).