"Es lohnt auch ein Blick zurück", begrüßt Martina Gregor-Ness die Gäste im Zuse-Medienzentrum der Hochschule (FH) Lausitz. Sie hat zwar zur Debatte über "Brandenburg 2030" geladen, doch an die Nachwendezeit und die rasanten Veränderungen zu erinnern - damit liefert die Senftenberger SPD-Landtagsabgeordnete einen griffigen Einstieg. Denn es geht rasant weiter auf dem Weg in die Zukunft. Die Herausforderungen scheinen sogar ungleich größer als das Zurückliegende.

So muss das Land bis 2019 mit zwei Milliarden Euro weniger im Haushalt auskommen, weil der Solidarpakt bis dahin ausläuft. Zugleich wird die EU-Förderung zurückgehen und Brandenburg will ab 2014 keine neuen Schulden mehr aufnehmen. Was sich nach der Quadratur des Kreises anhört, "das müssen wir hinbekommen", sagt Staatskanzleichef Albrecht Gerber. Als Mitglied der SPD-Zukunftskommission lässt er Zahlen sprechen: Während das vergleichbare Flächenland Schleswig-Holstein schon heute mit 3300 Euro pro Kopf der Bevölkerung haushaltet, verbrauche Brandenburg 3900 Euro.

Neben den Finanzen ist für Gerber der demografische Wandel eine absehbare Größe. Von 2008 bis 2030 würde es im Land 30 Prozent weniger erwerbsfähige Einwohner geben. Hinzu komme, dass heute etwa ein Drittel der Menschen im Speckgürtel von Berlin leben. Aber im Jahre 2030 spitzt sich laut Gerber die Situation derart zu, dass sich etwa 50 Prozent der Bevölkerung auf 15 Prozent der Landesfläche rund um Berlin drängen werden. "Wir wollen uns aber weiter als ein Land verstehen - und brauchen Lösungen dafür", erklärt Gerber.

Was dem SPD-Landesvorstand bis zum 5. Mai als Vorschlag in Sachen Kommunalreform unterbreitet wird, steht noch längst nicht fest. Das Forum in Senftenberg hat Gerber mit auf den Weg gegeben, dass die Vorgaben - 200 000 Einwohner pro neuem Kreis und 12 000 für kreisfreie Gemeinden - nirgendwo an den Landesrändern erreicht werden. "Die Aufgabenverteilung muss vor den Zahlen kommen", mahnt zudem Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker. Und der Amtsdirektor von Ruhland, Roland Adler, weist darauf hin, dass berücksichtigt werden müsse, funktionierende Strukturen nicht zu zerschlagen. Damit reagiert er auch auf eine Bemerkung des SPD-Fraktionschefs im Landtag, Ralf Holzschuher, der provozierte: "Brauchen wir noch Landkreise?"

Der Staatskanzleichef versichert, dass "die Unterschiede zwischen Kommunen im Speckgürtel und an der Peripherie natürlich berücksichtigt werden". Um ein ausgewogenes Konzept zu erarbeiten, seien Bedenken und Vorschläge willkommen. So auch jene von Hendrik Karpinski, dem Geschäftsführer der Klinikum Niederlausitz GmbH. Der Mediziner ermutigte zum Ausbau von Polikliniken und Gesundheitszentren in den Regionen des Landes, um medizinische Versorgung auch in Zukunft zu sichern. Ohne niedergelassene Ärzte zu gefährden, würden hier Chancen für den Berufseinstieg junger Ärzte bestehen. Ebenso wie "Agnes II" - der Gemeindeschwester, die den Hausarzt entlastet - gingen Gesundheitszentren in die richtige Richtung.

Auch bei Agnes lohnt sich übrigens ein Blick zurück.