Es sind Stadtverordnete aus Doberlug-Kirchhain, die Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter ins Kreuzverhör nehmen. Der SPD-Politiker hatte sich am Freitagnachmittag mit ihnen gemeinsam vom Fortgang der Sanierungsarbeiten auf dem ehemaligen Kasernengelände überzeugt. Nun aber wollen sie wissen, wie es vor allem mit der Information weitergeht. "Wir hatten oft keine Antwort auf Fragen der Bürger, weil uns niemand auf den neuesten Stand gebracht hat", monieren die Stadtparlamentarier.

Der Rundgang durch das Kasernengelände diente zumindest dem vom Minister zugesicherten besseren Informationsfluss. Anfang Dezember soll es einen Tag der offenen Tür für interessierte Bürger in der sanierten Flüchtlingsunterkunft geben. "Dort werden wir Rede und Antwort stehen", verspricht Schröter. Bereits während des Rundgangs hat er keinen Zweifel daran gelassen, dass die Notunterkunft in Doberlug-Kirchhain zu den fünf Schwerpunkt-Standorten im Land gehört. Hier seien jetzt logistisch beste Voraussetzungen, um ausnahmslos männliche Flüchtlinge und Asylbewerber aufzunehmen, unterzubringen und zu versorgen.

Das ging bisher auf dem Gebiet der Lausitz-Kaserne nur in einer vom DRK betreuten Zeltstadt. Sie ist inzwischen über Warmluftanschlüsse auch winterfest. Doch ab Dezember ziehen die Flüchtlinge zuerst in das Gebäude 46 ein. Als Schröter das Haus für rund 400 Personen inspiziert, wird noch in den Fluren gemalert. Die Räume zwischen 20 und 24 Quadratmetern sind weiß, schlicht und freundlich, wie es Volker Barkfrede ausdrückt.

Der Kaufmännische Geschäftsführer des Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen kennt die Geschichte der Kaserne und des Hauses 46. Denn das Haus war vor neun Jahren schon fast fertig saniert. Dann hat die Bundeswehr den Standort aufgegeben. Der Leerstand nagte an dem Block. "Vieles konnte noch genutzt werden", verweist er auf Fußböden oder Türen. Aber in neun Jahren hätten sich viele Bau- und Sicherheitsvorschriften geändert, dazu mussten die zentralen Medienanschlüsse der Kaserne getrennt werden - "seit dem Frühsommer ist hier gebaut worden", erklärt Barkfrede.

Rechnet man Kranken- und Isolierstation, Pforte, Kantine sowie den Röntgen-Container dazu, "so hat das Land zehn Millionen Euro für den ersten Schritt der Sanierung dieser Notunterkunft in die Hand genommen", sagt der Pressesprecher des Innenministeriums Ingo Decker. Ob und wie dieses Geld vom Bund zurück in den Landeshaushalt fließt, sei noch unklar. Das nächste Ausbauvorhaben hat das Land aber schon im Blick. Denn das Gebäude 45 - sechsstöckig und mit 120 Metern Länge einst die größte Bundeswehr-Unterkunft deutschlandweit - soll im Sommer 2016 bezugsfertig sein.

In der winterfesten Zeltstadt "wohnen" zurzeit nur 75 Männer. Aufnehmen kann DRK-Einsatzleiter Jens Brandes rund 500 Flüchtlinge. Die Notunterkunft verzeichne jedoch eine hohe Fluktuation. "Wir haben schon 200 Personen an einem Tag aufgenommen", schildert Brandes. Stadtverordneten-Vorsteher Sebastian Rudolph (CDU) fügt hinzu, dass sich die Situation vom Frühstück bis zum Mittagessen aber gravierend ändern könne. Ohne Vorwarnung brechen Flüchtlinge auf, um zu Verwandten, in Großstädte oder nach Schweden zu gelangen.

Auch darüber wollen die Kommunalpolitiker besser informiert werden. Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) fordert "schnelle Informationen aus erster Hand". Was er bei der Vor-Ort-Begehung erfährt: Mit dem Bezug der sanierten Unterkunft im Dezember wird ein neuer Funkmast die bisher unmögliche mobile Erreichbarkeit gewährleisten.

Zum Thema:
Von den schärferen Bestimmungen für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern sind in Brandenburg zunächst nur wenige Flüchtlinge betroffen. In den Erstaufnahmestellen seien nach Angaben des Innenministeriums derzeit 46 Personen aus entsprechenden Balkanländern. Insgesamt seien in diesem Jahr knapp 3500 Menschen aus den nun als sicher eingestuften Staaten nach Brandenburg gekommen.