Laut einer aktuellen Untersuchung des Robert-Koch-Instituts zählt Schwimmen zu den beliebtesten Sportarten unter Kindern und Jugendlichen. Nachteilig für ihre Schwimmfähigkeit wirke sich jedoch die Tatsache aus, dass zunehmend mehr Hallen- und Freibäder in sogenannte Spaßbäder mit eingeschränkten Schwimmmöglichkeiten umgewandelt oder aufgrund von kommunalen Sparzwängen geschlossen würden, heißt es in der Analyse. Als "ein aus politischer Sicht zentrales Ergebnis" ihrer Untersuchung bewerten die Experten, "dass sozial benachteiligte Kinder deutlich seltener schwimmen können als Gleichaltrige aus sozial besser gestellten Familien". Und auch diejenigen, die dazu in der Lage seien, hätten rund 1,5 Jahre später schwimmen gelernt als Kinder aus höheren sozialen Schichten.

"Die Schließung von Bädern ist eine Form von Sozialabbau", meinte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, gegenüber der RUNDSCHAU. Dazu gehöre auch, Freibäder nicht mit Wasserwachten auszustatten. Auf die bedenkliche Tendenz, dass bei Ausschreibungen zur Bewachung von Badegewässern "allein der Preis und nicht mehr die Qualität der Dienstleistung beachtet wird" und der Wachdienst an Badeseen mitunter gänzlich dem Rotstift zum Opfer falle, hatte schon das Deutsche Rote Kreuz vor einigen Monaten hingewiesen.

Offenkundig schlägt sich diese Entwicklung auch in der Statistik über Badeunfälle mit tödlichem Ausgang nieder. So sind 2015 in Deutschland 488 Menschen ertrunken. Das waren fast 25 Prozent mehr als im Jahr davor. Unfallschwerpunkt Nummer eins seien wieder die unbewachten Binnengewässer gewesen, heißt es bei der DLRG. Umso konsequenter müsse deshalb auch der Schwimmunterricht in den Schulen durchgeführt werden. Dafür sei der Erhalt öffentlicher Bäder wichtig.

Doch genau daran mangelt es eben. "Das Bädersterben im Bereich der Hallenbäder verhindert mittlerweile zum Teil auch, dass überhaupt noch vernünftig Schwimmunterricht angeboten werden kann", erklärte Zimmermann. Die Hauptursache sieht die Linkspolitikerin in der angespannten Finanzsituation vieler Kommunen. Deshalb würden dort freiwillige Leistungen gekürzt.

Dass der Bäderbetrieb dabei regelmäßig weit vorn auf den Sparlisten betroffener Städte und Gemeinden rangiert, zeigt eine Langzeitübersicht der DLRG: Von den 7784 Bädern, die es 2002 laut Sportstättenstatistik gab, sind mittlerweile 13 Prozent geschlossen oder von akuter Schließung bedroht. Allein zwischen dem Sommer 2007 und dem Herbst 2015 machten rund 370 Bäder dicht. Mehr als die Hälfte der geschlossenen oder von Schließung bedrohten Einrichtungen sind Hallenbäder. Eine der Folgen ist laut DLRG, dass etwa jede fünfte Grundschule keinen Zugang zu einem Schwimmbad mehr hat. Besonders im ländlichen Raum wird der Schwimmunterricht deshalb zum Problem.