Der Vorwurf der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruptionsdelikte in Neuruppin ist klar: Als Gegenleistung für die kostenlose Nutzung hochwertiger Autos soll ein Cottbuser Polizeibeamter aus dem Bereich operative Ermittlung Dienstgeheimnisse an den Sicherheitschef des FC Energie Cottbus weitergegeben haben. Dieser betreibt neben einer Sicherheitsfirma auch eine Autovermietung.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Anklage im April beim Landgericht Cottbus erhoben. Die Anklage wurde zur Hauptverhandlung am Schöffengericht des Amtsgerichtes Cottbus zugelassen. Dort wird es mit einem Verhandlungstermin jedoch nicht schnell gehen. "Aufgrund der Auslastung des Schöffengerichtes mit mehreren umfangreichen Verfahren ist mit einem Verhandlungsbeginn frühestens im ersten Quartal 2015 zu rechnen", so Amtsgerichtsdirektor Michael Höhr.

32 Zeugen erwartet

Das Landgericht war der Auffassung, dass dieses Verfahren trotz umfangreicher Beweismittel, darunter 32 von der Staatsanwaltschaft benannten Zeugen, keine übermäßige Belastung des Amtsgerichtes verursachen würde. Da eine Strafe nicht über vier Jahren Haft zu erwarten sei, sei eine Verhandlung vor dem Landgericht nicht erforderlich.

Im März 2013 hatte die Staatsanwaltschaft Privat- und Diensträume des Polizeibeamten und des Unternehmers in Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis durchsucht. Beide kennen sich nach RUNDSCHAU-Recherchen seit DDR-Zeiten aus dem Polizeidienst. Der Unternehmer soll später auf eigenen Wunsch aus der Polizei ausgeschieden sein. 2005 gründete er seine Wachschutzfirma und wurde kurz darauf Sicherheitsbeauftragter bei dem Cottbuser Fußballklub. Dort hat er eine große Machtfülle. Ihm untersteht der gesamte Ordnerdienst. Einen großen Teil davon stellt er über Subunternehmen und mit eigenen Mitarbeitern.

Einsatz in sensiblen Bereichen

Der angeklagte Polizist, der seit März vorigen Jahres vom Dienst suspendiert ist, war als Zivilbeamter zu Beschattungen und Ermittlungen auch gegen Fußballhooligans, Rocker und Rechtsradikale eingesetzt worden.

Der FC Energie Cottbus hält bisher zu seinem Sicherheitsbeauftragten trotz Anklageerhebung und Eröffnung der Hauptverhandlung.

Konsequenzen zog jedoch vor gut einem Jahr der Chef der Polizeidirektion Sven Bogacz. Er lehnte es ab, sich bei Sicherheitsgesprächen vor Heimspielen des FCE zusammen mit dem Sicherheitsbeauftragten des Vereines an einen Tisch zu setzen.