Die Berichterstattung über die McCann-Tragödie ist vom Mitleid ebenso wie von der Neugierde einer Öffentlichkeit getrieben, die mit Madeleines Verschwinden die schlimmsten Ängste von Eltern verbindet.
Selbst die aufrichtigste Berichterstattung ist beeinträchtigt: Erstens gibt es keine zuverlässigen Quellen für die Ermittlungen aufgrund von Geheimhaltungsgesetzen. Und das Nachrichtenvakuum wird gefüllt mit durchgesickerten Hinweisen, die einseitigen Interpretationen ausgesetzt sind.
Zweitens sind diese Geheimhaltungsregeln Teil eines Justizsystems, das zwar reformiert, aber nicht neu geschaffen wurde seit Portugals Übergang von der Diktatur zur Demokratie vor drei Jahrzehnten.
Und drittens hat das enorme Ausmaß des Interesses am McCann-Fall die Berichterstattung zu einer öffentlichen Seifenoper verzerrt, bei der beide „Seiten“ sich fälschlicherweise verpflichtet fühlen, auf jede Salve der anderen mit einer eigenen zu reagieren