Brandenburgs FDP kämpft um den Wiedereinzug in den Landtag. Nach heutigem Stand hat die Partei dafür recht gute Ausgangsvoraussetzungen: Im Bundestag haben sich die Liberalen als Oppositionskraft etabliert, und auch die Umfragewerte waren für die Brandenburger FDP schon schlechter. Und dass gleich drei profilierte FDPler antreten, um Spitzenkandidat zu werden, zeigt ebenfalls, wie groß die Hoffnungen auf einen Wiedereinzug in den Landtag sind.

Doch in der Vergangenheit war der größte Gegner der Brandenburger FDP meist die Brandenburger FDP. Dass nun der Europakandidat Martin Lindner vermutlich aus gekränkter Eitelkeit den ­Rückzug antritt, erinnert fatal daran, wie in der Partei 2014 jeder gegen jeden kämpfte und die Liberalen dann im hohen Bogen aus dem Landtag flogen. Dabei droht völlig unterzugehen, dass man mit Robert Martin Montag erstmals einen ostdeutschen Bewerber unter den ersten acht der Bundesliste für das EU-Parlament hat – und noch dazu einen Kandidaten, der seinen Arbeitsplatz in Potsdam hat. Der Rückzug Lindners dürfte für die Brandenburger FDP deswegen gut verschmerzbar sein.

Wesentlich schwerer wiegt da das Volksbegehren „Brandenburg braucht Tegel“. Dass dort nun die Freien Wähler die Führung übernommen haben, zeigt, dass es der FDP noch immer an Kampagnenfähigkeit fehlt. Denn in einem Wahljahr ist es eigentlich unverantwortlich, erst ein Volksbegehren mitzustarten – und es dann durch seinen ärgsten Konkurrenten übernehmen zu lassen. So etwas darf schlicht nicht passieren, wollen die Brandenburger Liberalen am 1. September tatsächlich die Hürde zum Potsdamer Landtag überspringen. Auch wenn heute vieles danach aussieht, dass bei der Brandenburger FDP die Richtung stimmt.