Mangan25, benannt nach einem Metall, ist eine achtköpfige Künstlergruppe aus den Bereichen Film, Fotografie, Musik, Hörspiel, Schauspiel, Malerei und Bildhauerei, darunter die Lausitzer Momo Kohlschmidt und Kai-Uwe Kohlschmidt. Im Zentrum ihrer Zusammenarbeit stehen gemeinsame Reisen oder, wie sie es selbst nennen: Expeditionen. Das Wort Expedition ruft sofort eine Fülle von kulturgeschichtlichen Assoziationen auf. Man denkt zum Beispiel an die Entdeckungsfahrten von Christoph Kolumbus, Alexander von Humboldt, Ludwig Leichhardt oder Roald Amundsen und deren literarisch-kulturelles Nachleben, natürlich auch an die fiktiven Expeditionsgeschichten von Autoren wie Jules Verne und Edgar Allan Poe.

Eine Expedition ist nicht einfach irgendeine Reise, sondern eine Reise ins Unbekannte, Unerschlossene, Gefährliche. Genau so reist Mangan25. Deren Expeditionen führten seit 2004 unter anderem zum Nanga Parbat, nach Spitzbergen in die Arktis, in den südamerikanischen Regenwald, über Oder und Neiße sowie in die namibische Wüste.

Archaisch wirkende Skulpturen

Wer einige Hörspiele kennt, die Kai-Uwe Kohlschmidt anhand solcher Expeditionen verfasst hat, weiß, worauf diese abzielen: auf eine Mischung aus Kultur-, Extrem- und Selbsterfahrung in Raum und Zeit. Es geht um die Erfahrung einer unbekannten Landschaft in ihrer Materialität, um die Erfahrung ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, um das Erleben ihrer Mythen und Konflikte. Und es geht um die Frage: Was macht diese Reise mit mir und der Gruppe?

Die Ausstellung "Finde Mangan!" im Schalthaus des Kunstmuseums Dieselkraftwerk ist eine mehrere Räume übergreifende Installation, die sich aus Ausrüstungsgegenständen, Fundstücken und Kunstwerken solcher Expeditionen zusammensetzt. Die Ausstellung ist ein gutes Beispiel dafür, wie eindrucksvoll sogar die kleineren Räume des dkw. bespielbar sind, wenn man sie nicht einfach nur als traditionelle Bildergalerie begreift. Ein Segelboot hängt kopfüber unter der Decke, archaisch wirkende Skulpturen streben vom Boden empor. Die Wandflächen füllen Fotografien und Malereien mit imposanten, menschenleeren Eis-, Gebirgs- und Wüstenlandschaften. Fremdartige Geräusche, Stimmen, Musik erklingen verwirrend-hypnotisch. Aufgeklappte Transportkisten in altertümlicher Holzoptik geben den Blick frei auf Kompass, Fernglas, Tagebuch, abgetragene Schuhe und andere Relikte. Die Ästhetik der Mangan25-Ausstellung erinnert ein bisschen an die Subkultur Steampunk. Diese Bewegung kreist um einen speziellen, "retrofuturistischen" (also die Zukunft mit den Mitteln der Vergangenheit darstellenden) Science-Fiction-Look. Kurz erklärt: Die Anhänger kleiden sich als durchgeknallte Technikfreaks und Zukunftsforscher wie aus einem Jules-Verne-Roman. Man trifft sich zu Partys und Rollenspielen, trägt Gehrock und Zylinder und hantiert mit Dampfmaschinen, Taucherglocken und Zeppelinen. Im Gegensatz dazu posiert Mangan25 allerdings nicht, sondern lebt bewusst einen alten Mythos: die heroisch-romantische Aussteiger-Fantasie vom Künstler als Abenteurer.

Verschwundene Orte

Eine besondere Raum- und Zeiterfahrung bietet auch die ebenfalls gerade eröffnete Schau "Gemischtes Doppel III" aus der laufenden Ausstellungsreihe mit brandenburgischen Kunststipendiaten eine Etage höher.

Die Potsdamerin Anne Heinlein hat verschwundene Orte fotografiert, die zur besseren Überwachung der deutsch-deutschen Grenze von den DDR-Behörden "gewüstet", nämlich dem Erdboden gleichgemacht wurden. Ihre Schwarz-Weiß-Aufnahmen in sorgfältig komponierter, scheinbarer Banalität zeigen also bloß Bäume, Büsche, Wiesen und einen Teich. Es bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen, das Vernichtete und seine Geschichte zu imaginieren. Nur die ausführlichen Bildtitel wie "Groß Grabenstedt I, Landkreis Salzwedel/Sachsen-Anhalt, erstmals urkundlich erwähnt 1291, gewüstet 1986" geben Hinweise.

Auf die Spur von etwas schwer oder nicht Sichtbarem begibt sich auch Katrin von Lehmann. Die Berlinerin interessiert sich für Prozesse, insbesondere für wissenschaftliche oder organisatorische Prozesse, die sie mit Papier und Farbe in abstrakter Form abbildet. Zum Beispiel hat Katrin von Lehmann nach einer alten Planungstabelle die Errichtung des Dieselkraftwerks nachvollzogen. Für die Bauarbeiten der einzelnen Gewerke strich sie jeweils zugewiesene Farben auf Papierblätter. Aus den Papierblättern stanzte sie stets ein Element aus, legte dann die verbliebenen und die ausgestanzten Blätter auf zwei separate Haufen. Deren Bedeutung ist nicht erkennbar, wie bei einem Chiffriercode. Es lässt sich auch nur schwer erklären, wie diese Kunstwerke aussehen.

Komplexe, dichte Muster

Wesentlich zugänglicher sind Katrin von Lehmanns freie Papierarbeiten: Sie zeichnet mit Pastellfarben komplexe, dichte Muster auf Papier. Mehrere Blätter werden übereinandergelegt, teilweise auch ausgestanzt. Es ergeben sich luftige, zarte, ins Dreidimensionale wachsende Gebilde, die an Schimmelpilzorganismen ebenso wie an Spitzendeckchen erinnern. Eine sehr eigene und schöne Ausdrucksform.

Beide Ausstellungen sind bis zum 18. Januar zu sehen.