All inclusive, Flatrate, Pauschalen - mit diesen Angeboten werben derzeit viele Branchen. Auch Michael John (38), Manager der Diskothek Wandelhof Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz), nutzt den Trend. Er lädt beispielsweise an diesem Freitag zur All-inclusive-Party. Das heißt, für acht beziehungsweise zwölf Euro Eintritt können seine Partygäste so viel Sekt, Weißwein, Bier und offene Mixgetränke mit Wodka, Goldkrone, Gin und Whisky trinken, wie sie wollen. "Die Lausitz ist eine Region, in der viele Wenig- und Geringverdiener leben. Da muss man sich als Unternehmer etwas einfallen lassen", erklärt er sein Party-Konzept.
Martina Münch (45) aus Cottbus, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD Brandenburg, hält nichts davon. "Man sollte über ein Verbot dieser Flatrate-Partys diskutieren", fordert sie. "Sie fördern das Kampftrinker-Verhalten." Das heißt, Jugendliche beginnen nicht nur immer früher Alkohol zu trinken, sie machen das auch sehr exzessiv. Das kann Thomas Erler (48), Chefarzt der Kinderklinik im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus, bestätigen. "Vor zehn bis 15 Jahren war der Grad der Trunkenheit noch nicht so stark ausgeprägt wie heute", sagt er. Teilweise würden Jugendliche mit einer so starken Alkoholvergiftung in die Rettungsstelle eingeliefert, dass sie ins Koma fallen. Erler: "Natürlich will sich jeder Jugendliche ausprobieren, seine Grenzen ausloten." Gerade deshalb könne man mit Verboten nichts erreichen. Deshalb plädiert Thomas Er ler für eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit.
Mehr präventive Aufklärung unterstützt auch Martina Münch. Zudem plädiert sie für verstärkte Kontrollen in Diskotheken zur Einhaltung des Jugendschutzgesetzes. Das besagt, dass Wein, Bier und Sekt erst an Jugendliche ab 16 Jahre nach Vorlage des Ausweises ausgeschenkt werden darf, harte Spirituosen erst an 18-Jährige. "Es sollte auch rechtlich geprüft werden, ob diese Pauschalangebote legal sind", sagt die Cottbuser Sozialdemokratin Martina Münch.
Illegal ist jedenfalls laut Gaststättengesetz, wenn an erkennbar Betrunkene weiter Alkohol ausgeschenkt wird. Das erklärt Uwe Strunk, Hautgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Brandenburg. Das weiß auch Michael John. An All-Inclusive-Partyabenden werden im Wandelhof Schwarzheide verstärkt Ausweiskontrollen durchgeführt, sagt er. Zudem agiere das Wandelhof-Personal mit Vor- und Weitsicht. Das heißt, wer sich lallend einen Gin-Tonic bestellt, blitzt beim Barmann ab.