"So weit wie möglich kommen bei uns nur Ostprodukte auf den Tisch. Und die finde ich in der gewünschten Vielfalt ausschließlich bei Heros", sagt Horn.
Vor genau sechs Jahren öffnete der bundesweit noch einzige Ostprodukte-Discounter am Stadtrand von Rostock. Die Fahrt mit dem Einkaufskorb durch den 2000 Quadratmeter großen Markt gleicht einer Zeitreise in eine fast vergessene Konsumwelt mit Hallorenkugeln, Kuko-Reis, Koivo-Duschbad oder Pfeffi-Likör. Mehr als 2000 Produkte stammen - oft nur noch dem Namen nach - aus der Produktion ostdeutscher Firmen.
Dem gebürtigen Hessen Christoph Lederer ist dabei alles so bekannt, als habe er das schon immer selbst eingekauft: fit statt Palmolive, Idris statt 4711, Radeberger statt Becks oder Grabower Küsschen statt Dickmanns. Dabei kam der heute 39-jährige Marktleiter vor vier Jahren eher zufällig an die Ostseeküste, kannte den Osten nur von Besuchen bei Verwandten in Leipzig.
Auf dem Einkaufszettel von Hellmut und Ilse Horn stehen heute unter anderem Pulsnitzer Lebkuchen, Vogtländer Quark ("am liebsten den mit Champignons") und Rosenthaler Kadarka. Auch das eine oder andere Angebot aus ehemaligen Ostblockländern hält Lederer noch parat. "Das beste Toilettenpapier kommt zum Beispiel noch immer aus Polen", sagt er.
Insgesamt sind es inzwischen 2800 Artikel, fast dreimal so viele wie beim Start vor sechs Jahren. Und nahezu wöchentlich kommen neue hinzu. Präsentiert bekommt Lederer die Waren fast ausschließlich bei Besuchen auf Ostproduktemessen in Berlin und Schwerin. Da ist er jüngst auch auf Suppina Beutelsuppen gestoßen. Die waren über Jahre vom Markt verschwunden, sind jetzt aber wieder da und finden bei den Kunden reißenden Absatz.
Unterdessen sind Ilse und Hellmut Horn mit Harald Scheunert ins Fachsimpeln gekommen. Der steht am Stand von "Die Rostocker" und lässt heute Mettwürste verkosten. Alle zum Kilopreis von knapp zwei Euro - "ein Superangebot", wie der ehemalige Zerleger der Fleischwarenfabrik betont, der heute als Außendienstmitarbeiter durch die Lande tourt. Und Marktleiter Lederer pflichtet ihm bei. Denn auf den Preise muss er angesichts des immer noch wachsenden Discountermarkts achten, "nichts darf hier teurer sein als anderswo, sonst bleiben die Kunden weg".
Den Weg in das Nostalgie-Geschäft findet speziell das Klientel 50 plus, wenngleich auch zunehmend jüngere Kunden in den Regalen stöbern. Das sei wohl auch der Tatsache geschuldet, dass ein guter Branchenmix in das 14 000 Quadratmeter große Einkaufszentrum lockt. Dazu gehören ein Babymarkt, Bäcker und Fleischer, Boutique, Schnäppchenmarkt und Eiscafé. Der Vermieter, Heros-Chef Lederer, nimmt es mit Genugtuung zur Kenntnis.
Unterdessen hat das Rentnerehepaar aus Bad Doberan seinen Korb an die Kasse geschoben. "Ist wieder mal mehr drin, als wir eigentlich wollten", weiß Hellmut Horn und sagt: "Auf Wiedersehen" - bis nächsten Freitag.