"Sie müssen sich das wie einen Schnellkochtopf vorstellen", sagt Thomas Porsche, Entwicklungsleiter beim Energiekonzern Vattenfall. Der "Topf" ist das Herzstück einer neuen Anlage, die am Montag in Schwarze Pumpe nach vier Jahren Probebetrieb in die dauerhafte kommerzielle Nutzung übergeben wurde.

Die Druckaufgeladene Dampf-Wirbelschicht-Trocknung (DDWT) wurde von Vattenfall zusammen mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) entwickelt und soll in den kommenden Jahren die Flexibilität der Lausitzer Braunkohle-Kraftwerke verbessern.

Höherer Wirkungsgrad

Rohbraunkohle besteht zur Hälfte aus Wasser. In der DDWT-Anlage wird sie mit Dampf unter Druck bis auf einen Wassergehalt von zehn Prozent getrocknet. Der dabei aus der Kohlefeuchtigkeit entstehende Heizdampf kann direkt genutzt werden. Durch das Druckverfahren ist die Anlage wesentlich kompakter als herkömmliche Kohletrockner. Der Wirkungsgrad von Braunkohle-Kraftwerken soll durch die neue Technik nach Unternehmensangaben bis zu fünf Prozent erhöht werden können.

Vorerst soll die Trockenkohle aus der neuen Anlage jedoch nur in der Veredelungsabteilung von Vattenfall in Schwarze Pumpe, also für die Erzeugung von Kohlestaub und Briketts, genutzt werden. Doch der nächste Schritt, der Einsatz in einem Kraftwerk, wird nach Angaben von Hubertus Altmann, Vattenfall-Vorstand für den Kraftwerksbereich, bereits vorbereitet. Im Kraftwerk Jänsch walde soll ab 2015 Trockenkohle aus der DDWT-Anlage in Schwarze Pumpe in einem Block zum Einsatz kommen. Später könnten dann ganze Kraftwerke mit größeren DDWT-Anlagen ausgerüstet werden.

Weitere Forschung nötig

Die Versuchsanlage in Schwarze Pumpe hat es nach 15 000 Betriebsstunden auf einen Durchsatz von zehn Tonnen Rohbraunkohle pro Stunde gebracht.

"Eine Anlage direkt an einem Kraftwerk hätte einen Durchsatz von etwa einhundert Tonnen Kohle pro Stunde", sagt Forschungsleiter Porsche. Deshalb seien weitere Forschungsarbeiten und Erfahrungen nötig. Das Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde, das größte in der Lausitz, schluckt rund 300 Tonnen Kohle pro Stunde.

Als vor sechs Jahren mit der Entwicklung der DDWT-Anlage begonnen wurde, so Kraftwerksvorstand Altmann, habe man zunächst einen Ausgleich für den Wirkungsgradverlust bei dem geplante Bau eines Kraftwerks mit Kohlendioxidabscheidung (CCS) im Blick gehabt. Die Technik sei aber heute ein wichtiger Baustein im Flexibilisierungsprogramm der Vattenfall-Kraftwerke, um auf den Anstieg der ungleichmäßig eingespeisten regenerativen Stromerzeugung reagieren zu können.

Kritik von Umweltverband

"Unser Unternehmen hat heute schon gezeigt, dass wir im Energiemix mitspielen können, wir halten den erneuerbaren Energien den Rücken frei", sagt Altmann. Ein komplettes Kraftwerk mit DDWT-Technik nachzurüsten würde eine Investition im oberen zweistelligen Millionenbereich erfordern.

Für den Umweltverband Grüne Liga ist die Entwicklung der neuen Trocknungstechnik dagegen ein Zeichen, dass sich Vattenfall auf eine sinkende Auslastung seiner Kraftwerke durch die Energiewende und damit auf einen rückläufigen Kohleverbrauch vorbereite. "Kraftwerke, die öfter mit halber Kraft und weniger fahren sollen, verbrauchen deutlich weniger Kohle als bisher veranschlagt wird", so Rene Schuster von der Grünen Liga. Neue Tagebauprojekte seien so nicht mehr zu begründen, so Schuster. In der Lausitz laufen zurzeit drei Braunkohleplanverfahren für Erweiterungsfelder und Anschlusstagebaue für die Gruben Nochten, Welzow-Süd und Jänschwalde-Nord.