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Kohlegegner feiern sich für Kraftwerkstörung in NRW

Braunkohle-Gegner haben sich am 25.08.2017 am Braunkohle-Kraftwerk im Grevenbroicher Ortsteil Neurath (Nordrhein-Westfalen) an ein Gleis gekettet und halten die Strecke besetzt. Nach Angaben von RWE wurde der Zugverkehr eingestellt. Das Aktionsbündnis Ende Gelände will nach eigenen Angaben die Kohle-Infrastruktur des Tagebaus Garzweiler an verschiedenen Punkten blockieren. (zu dpa „Aktivisten blockieren Kohlebahn - Intensive Polizeikontrollen“ vom 25.08.2017) Foto: Arnulf Stoffel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Braunkohle-Gegner haben sich am 25.08.2017 am Braunkohle-Kraftwerk im Grevenbroicher Ortsteil Neurath (Nordrhein-Westfalen) an ein Gleis gekettet und halten die Strecke besetzt. Nach Angaben von RWE wurde der Zugverkehr eingestellt. Das Aktionsbündnis Ende Gelände will nach eigenen Angaben die Kohle-Infrastruktur des Tagebaus Garzweiler an verschiedenen Punkten blockieren. (zu dpa „Aktivisten blockieren Kohlebahn - Intensive Polizeikontrollen“ vom 25.08.2017) Foto: Arnulf Stoffel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Arnulf Stoffel (dpa)
Update | Erkelenz. Im rheinische Revier erlebt der Kraftwerksbetreiber seit Freitag ähnliche Aktionen, wie sie die Lausitz vor einem Jahr ereilten. Aktivisten der Gruppe "Ende Gelände" legen Transport und Verbrennen der Kohle teilweise lahm – und feiern sich dafür. bob/sm/mit dpa

"Es ist historisch einmalig, dass wir als soziale Bewegung in die fossile Energieproduktion eingreifen", sagt Janna Aljets, Sprecherin der Gruppe "Ende Gelände" am Samstagmorgen. Aktivisten sei es gelungen, die Kohlezufuhr des Kraftwerks Neurath für neun Stunden zu blockieren. Der Betreiber RWE habe vier von sechs laufenden Blöcken ab 15 Uhr um 42 Prozent drosseln müssen. Außerdem gelangten Aktivisten in den Tagebau Garzweiler. "Die vielfältigen Aktionsformen der Protesttage zeigen, dass verkrustete Politik und Konzerne gegen den Willen der Menschen an der Kohle festhalten", sagt eine weitere Sprecherin, Insa Vries.

RWE bestätigte die Auswirkungen auf die Stromproduktion. Unternehmenssprecher Jan Peter Circel betonte auf Anfrage, man könne aber nicht von einer "Störung" sprechen. Im Kraftwerk Neurath sei die Leistung in vier Blöcken - insgesamt gibt es sieben - gesenkt worden. "Wir haben das gemacht, um Kohle zu sparen." Gegen Mittag wurde die Drosselung wieder aufgehoben. "Wir haben die Lage in der Nacht analysiert. Die Kohle-Situation ist stabilisiert." Die Kraftwerke im Revier seien ausreichend mit Kohle versorgt.

Auch am Samstagmorgen gab es wieder eine Blockade auf der Strecke der wichtigen Kohletransportbahn. Laut Polizeisprecher Paul Kemen hatten sich sechs Personen an die Gleise gekettet. Die Beamten mussten mit Werkzeug anrücken. Nach zweieinhalb Stunden sei die Bahn wieder frei gewesen. Am Samstagmittag demonstrierten rund 2000 Menschen - darunter Spitzenpolitiker von Grünen und Linken - am Tagebau Hambach mit einer Menschenkette für einen sofortigen Stopp der Braunkohleförderung im Rheinland.

Andernorts ging es mit den Blockade-Aktionen wieter. laut Polizei Aachen machten sich mehr als 1000 Personen zu den Bahngleisen der Hambachbahn bei Neurath auf. "Die Mehrzahl war bekleidet mit weißen Maleranzügen. Viele trugen Rucksäcke, Isolationsmatten, Mundschutz, Schutzbrillen und zum Teil mit Stroh gefüllte Säcke. Teile der Gruppe gelangten auf die Gleise der Nord-Süd-Bahn", so die Angaben der Polizei. Die Bahn wurde an drei Stellen blockiert. Der Betrieb wurde eingestellt. "Rund um das Kraftwerk Neurath finden derzeit mehrere, kleinere Sitzblockaden statt, die teilweise bereits schon wieder aufgelöst wurden. Die Maßnahmen dauern noch an", so die Information der Polizei am Nachmittag.

"Ende Gelände"-Sprecherin Janna Aljets erklärte: "Wir lassen uns nicht aufhalten."

Pfingsten 2016, als das Klimacamp in der Lausitz stattfand, besetzten Hunderte Teilnehmer zwei Tage lang den Tagebau Welzow-Süd sowie eine Kohleverladung und Gleise der Kohleverbindungsbahn. Die Brennstofflieferung zum Kraftwerk Schwarze Pumpe wurde unterbrochen. Außerdem versuchten Kohlegegner, das Kraftwerk zu erstürmen. Sie drangen auf das Werksgelände vor und konnten nur mühsam zurückgedrängt werden.