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| 01:37 Uhr

Kohle, Campen und der Kampf gegen rechts

Hunderte Zelte standen um einen mit Seerosen bedeckten Tümpel im Wald von Storkow (Landkreis Oder-Spree). Gitarrenmusik erklang, Jugendliche spielten Fußball oder lagen dösend in der Sonne. Von Benjamin Lassiwe

Auf dem Gelände der Jugendbildungsstätte Hirschluch fand am Wochenende das traditionelle Landesjugendcamp der evangelischen Jugend Berlin-Bran denburg-schlesische Oberlausitz statt. Unter dem Motto "Aus Freude am Leben" nahmen rund 1200 Teenager und junge Erwachsene aus den 39 Kirchenkreisen zwischen Görlitz und der Prignitz daran teil. In Workshops und Seminaren beschäftigten sie sich mit Gospelmusik, Entwicklungshilfe und Theater.
Auf Initiative des Kreisjugendkonventes Cottbus wurde auch die Lausitzer Braunkohle zu einem Thema der Veranstaltung. "Die Tagebaue werden vor unserer Haustür angelegt", sagte Carina Lehmann aus Kolkwitz (Spree-Neiße), die eine Podiumsdiskussion dazu moderierte. "Das kann uns nicht egal sein."

Keine einfachen Lösungen
Doch auch auf dem Landesjugendcamp wurde deutlich, dass der Streit um die Kohle keine einfachen Lösungen kennt. "Die Landessynode hat kein kategorisches Ja oder Nein zur Braunkohle abgegeben", sagte etwa die Cottbuser Generalsuperintendentin Heilgard Asmus. "Aber wir wollen überlegen, wie es weitergehen kann, wie wir den Einstieg in den Ausstieg schaffen." Weswegen die Theologin für einen maßvollen Umgang mit Energie plädierte. So reiche es völlig aus, wenn Kirchtürme abends nur eingeschränkt beleuchtet würden. "Ich frage mich auch, ob man mitten im Hochsommer in Senftenberg Ski laufen muss, oder im Winter eine beheizte Südseelandschaft im Spreewald braucht." Im Moment könne man nicht auf die Braunkohle verzichten, "aber der Preis der Umsiedlungen ist ein zu hoher Preis". Hartmuth Zeiß, Mitglied im Vorstand der Vattenfall Europe Mining AG betonte hingegen, sein Unternehmen habe aus der Umsiedlung von Horno gelernt. So sei die Umsiedelung von Haidemühl aus Sicht "von 95 Prozent der Bürger fair" abgelaufen. Die Braunkohle werde auch in Zukunft zum Energiemix gehören. Angesichts des gestiegenen Kohleverbrauchs etwa in China könne man von einem "Jahrhundert der Kohle" sprechen. Doch Vattenfall investiere auch in Windkraft und erneuerbare Energien. Hingegen trat ein Vertreter der Grünen Liga für eine stärkere Dezentralisierung der Energiegewinnung ein.
Hohen Besuch erhielten die Jugendlichen gestern: Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) kam, um mit ihnen über den Rechtsextremismus zu diskutieren. Anfang des Jahres hatte der Minister für Verärgerung gesorgt, als er in einem Interview erklärte, die evangelische Kirche sollte zur Bekämpfung des Rechtsextremismus die ehrenamtliche Jugendarbeit intensivieren. Vertreter der evangelischen Jugend machten daraufhin deutlich, dass man sich schon seit vielen Jahren intensiv gegen den Rechtsextremismus engagiere. In Storkow forderte Schönbohm die Teilnehmer auf, stärker das Gespräch mit Jugendlichen zu suchen, die in der Gefahr stehen, dem Rechtsextremismus zu verfallen.

Alternative zum Abhängen
Der Vorsitzende der für das Camp verantwortlichen Jugendkammer der evangelischen Kirche, Thorsten Schatz, kündigte an, mit Angeboten der jungen Gemeinden künftig auch in nicht-kirchlichen Jugendclubs präsent sein zu wollen, um Jugendlichen zu zeigen, "dass evangelische Jugendarbeit eine Alternative zum Abhängen an der Bushaltestelle" sei.