"

Merkel verkneift sich jeden Seitenhieb, jedes Revanchefoul, wenn Kohl sich mal wieder politisch einmischt; wenn er wie heute bei sich zu Hause in Oggersheim einen ihrer schärfsten Widersacher in Europa trifft, den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Das kann ihr nicht gefallen. Die Bewertung solcher Vorgänge seitens des Regierungssprechers klingen dann aber so: "Wir freuen uns, wenn sein Zustand es erlaubt, regen Anteil am politischen Leben zu nehmen." Merkel hat sich halt Gelassenheit verordnet. Im Kanzleramt aber soll man wenig erfreut sein, dass "der Alte" keine Ruhe gibt.

Kohl lässt es sich nicht nehmen, die Kanzlerin immer wieder zu kritisieren. In der Euro-Krise 2011 warf er ihr vor, keinen Kompass zu haben. Jetzt hat er erneut ein Buch geschrieben, in dem er die Grenzöffnung für Flüchtlinge moniert. "Die Lösung liegt in den betroffenen Regionen. Sie liegt nicht in Europa. Europa kann nicht zur neuen Heimat für Millionen Menschen weltweit in Not werden", schreibt er im Vorwort. Eine klare Kritik an Merkel Kurs in der Flüchtlingspolitik.