Was macht Kofi Annan den Abschied so schwer„ Wer den scheidenden Generalsekretär der Vereinten Nationen dieser Tage bei einem öffentlichen Auftritt beobachtet, erlebt ihn mit steinerner Miene oder feucht schimmernden Augen. Auch gestern, bei der letzten Pressekonferenz seiner zehnjährigen Amtszeit, rang der 68-jährige Top-Diplomat anfangs sichtlich um Fassung, räusperte sich ein über das andere Mal und verlor erst mit der Zeit das Zucken um die Mundwinkel.

Nachfahre eines Fante-Häuptlings
Ist es der Verlust des "erhabensten Jobs der Welt", der den charismatischen Nachfahren eines Fante-Häuptlings aus Ghana so wehmütig stimmt“ Oder die Einsicht, trotz härtester Arbeit längst nicht alle Ziele erreicht zu haben. Er werde bis zur letzten Minute darum kämpfen, in Khartum eine Lösung für Darfur durchzudrücken, versprach Annan. Auch der Libanon-Konflikt werde ihn bis zum 31. Dezember beschäftigen.
Im neuen Jahr übernimmt dann der Südkoreaner Ban ki-Moon das Steuer. "Ban wird seinen eigenen Stil entwickeln", sagte Annan mehrmals mit Bedauern. Er selbst will nach dem Abstieg vom Olymp der Weltorganisation mit seiner Frau Nane erst einmal "in den Untergrund" gehen. Wann, wo und mit welcher neuen Mission er wieder auftauchen könnte, lässt Annan offen. Nur eins steht fest: Er ist noch lange nicht am Ende.

Bravorufe und lang anhaltender Beifall
Seit Januar 1997 dirigierte der erfahrene Karrierdiplomat mit der sanften Stimme einen Apparat mit weltweit 15 000 Mitarbeitern. Ob er, der für die Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis entgegennehmen durfte, auch als ihr größter Chef in die Geschichte eingehen wird, bleibt abzuwarten. Im eigenen Haus ist ihm der Titel sicher. Wann immer der inzwischen ergraute Generalsekretär derzeit das Wort ergreift, erntet er Bravorufe und lang anhaltenden Beifall.
Bei einem Konzert des West-Eastern Divan Orchesters ihm zu Ehren wollte der Applaus für Annan am Montagabend in der Generalversammlung kaum mehr abbrechen. Für Diplomaten und Mitarbeiter aus aller Welt ist er der Mann, der sich mit seinen Millenniumszielen gegen Armut und Menschenrechtsverletzungen auflehnte, der Amerika im Streit um den Irakkrieg die Stirn bot und aus dem größten Korruptionsskandal in der Geschichte der Vereinten Nationen am Ende unbeschadet hervorging, das moralische Gewissen der Welt, ein Superstar der Diplomatie.