Aufgrund des engen zeitlichen Zusammenhangs der beiden Funde würden die Ermittlungen gegen Unbekannt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung geführt, teilte Generalbundesanwältin Monika Harms gestern in Karlsruhe mit. Zunächst war jedoch unklar, ob es sich um einen geplanten Terroranschlag oder um eine geplante Erpressung der Bahn handelte.
Den Angaben zufolge wurde am Montag im Fundbüro des Dortmunder Hauptbahnhofs "ein herrenloser Koffer mit Sprengstoff abgegeben". In dem Gepäckstück befanden sich unter anderem eine Propangasflasche, ein Benzingemisch und eine Zündvorrichtung. In der Regionalbahn zwischen Aachen und Hamm hatte ein Zugbegleiter am Montagnachmittag gegen 14.40 Uhr einen herrenlosen Rollkoffer gefunden. Laut Bundespolizei übergab der Zugbegleiter das Gepäckstück nach Eintreffen des Zuges im Dortmunder Hauptbahnhof einem Servicemitarbeiter, der ihn an der Fundstelle abgab. Dort wurde in dem Koffer der Sprengsatz entdeckt. Der Verkehrsknotenpunkt war daraufhin für mehrere Stunden gesperrt worden.

Umstände noch unklar
Gestern wurde zudem am Bahnhof in Koblenz ein Gepäckstück mit einer Propangasflasche abgegeben. Der Bahnhof wurde evakuiert. Die näheren Umstände dieses "Sprengstoff-Fundes" bedürften noch der Aufklärung, hieß es.
In dem in Dortmund abgegebenen Koffer befanden sich nach Angaben des zuständigen Staatsanwalts Henner Kruse eine elf Liter fassende Propangasflasche, 4,5 Liter Benzingemisch sowie ein Wecker, der als möglicher Zündmechanismus gedient haben könnte. Nach Angaben der Dortmunder Polizei hätte eine mögliche Explosion verheerende Auswirkungen im Waggon haben können, auch wenn sich zum Zeitpunkt des Fundes nur wenige Fahrgäste in dem Abteil aufhielten.
Anhaltspunkte dafür, "wann und unter welchen Umständen" eine Zündung stattfinden sollte, lägen bislang nicht vor, betonte die Bundesanwaltschaft. Ob es sich bereits um zündfähige Sprengstoffvorrichtungen gehandelt habe und ob und inwieweit die beiden Gepäckstücke miteinander vergleichbar seien, sei ebenfalls noch zu klären. Nach ARD-Informationen sollen die Bausätze in den Koffern identisch sein. Mit den Ermittlungen wurde das Bundeskriminalamt beauftragt.

Erinnerung an Dresdener Fund
Die Fälle wecken Erinnerungen an den Fund einer funktionsfähigen Bombe im Dresdner Hauptbahnhof vor drei Jahren. Der Sprengsatz war damals nur wegen eines Defekts nicht explodiert. Eine DNA-Spur brachte die Ermittler auf die Spur eines Immobilienkaufmanns, der von der Deutschen Bank eine dreistellige Millionensumme erpressen wollte. Der 64-Jährige wurde im Juli 2005 wegen Mordversuchs, schwerer räuberischer Erpressung und mehrerer Waffendelikte zu zwölf Jahren Haft verurteilt.