. Kaum ein Tag verging, an dem Ludwig Leichhardt nicht an seine preußische Heimat dachte. Im fernen Australien träumte er, eines Tages als erfolgreicher Naturwissenschaftler und Entdecker in den Dörfern rund um den Schwielochsee mit herzlichen Willkommensgrüßen empfangen zu werden. Doch über dem Entdecker von 99 Flüssen, Creeks, Teichen, Bergen und Hügelketten auf dem fünften Kontinent schwebte ein Damoklesschwert.

Am 1. Oktober 1840 sollte sich der damals fast 27-Jährige zum Wehrdienst bei den preußischen Militärbehörden melden. Doch an diesem Tag richtete er seine aufmerksamen Blicke nicht auf ein Berliner Kasernentor, sondern auf die geologischen Bodenstrukturen und geografischen Besonderheiten um die französische Stadt Clermont. Seit dem 16. September 1840 reiste Ludwig Leichhardt durch die Provinzen Frankreichs, um die Folgen von historischen Vulkanausbrüchen und die außergewöhnliche Pflanzenwelt in der Region zu studieren. Ein Jahr später, am 1. Oktober 1841, segelte der junge Student Leichhardt von London ins australische Sydney. Seine Gedanken kreisten um abenteuerliche Entdeckungsreisen. Der Einberufungsbefehl lag indes noch unberührt in seinen Unterlagen.

Ihm war klar, dass das vorsätzliche Missachten des preußischen Militärgesetzes drastische Folgen haben würde. Bei der Einreise in seine preußische Heimat drohte dem am 23. Oktober 1813 in Sabrodt bei Beeskow Geborenen die Verhaftung und eine Verurteilung wegen Wehrdienstverweigerung. Er musste mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe rechnen.

Leichhardt machte unterdessen als erster Bezwinger der etwa 5000 Kilometer langen Überlandstrecke von Brisbane bis nach Port Essington in der Fachwelt von sich reden.

Leichhardts Schwager Friedrich August Schmalfuß lebte als Musik- und Zeichenlehrer in Cottbus und hatte berufliche Kontakte zu Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Schmalfuß konnte den Fürsten für eine Zusammenarbeit bei der Abfassung einer Bittschrift zur Begnadigung von Leichhardt gewinnen. Über Alexander von Humboldt gelangte die Bittschrift zum König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., der den Forscher am 4. März 1847 begnadigte.

Nun bestand keine Gefahr mehr, gefesselt und bewacht in die Heimat einreisen zu müssen. Doch das Schicksal wollte es, dass Ludwig Leichhardt nie mehr seine Heimat sehen sollte.

Leichhardt bereitete im Herbst 1847 die Durchquerung des fünften Kontinents, von der Ostküste bis zum Swan River (Fremantle bei Perth) an der Westküste, vor. Bereits Anfang Dezember 1847 verließ Leichhardt mit seiner Mannschaft Sydney, um den Startplatz am Mount Abundance für das wagemutige Unternehmen aufzusuchen. Am 5. April 1848 sah man Ludwig Leichhardt und seine sieben Wegbegleiter zum letzten Mal. Nach Aussagen von Aborigines wurde die Gruppe im Herbst 1850 von Eingeborenen am Wasserloch von Wantata (Queensland) eingekreist, überfallen und getötet. Das spektakuläre Ende dieser Expedition gehört bis heute zu den größten Rätseln in der Entdeckungsgeschichte Australiens.