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"König von Deutschland" sieht sich als Diener Gottes

Der selbst ernannte "König von Deutschland", Peter Fitzek, im Gerichtssaal im Landgericht in Halle/Saale.
Der selbst ernannte "König von Deutschland", Peter Fitzek, im Gerichtssaal im Landgericht in Halle/Saale. FOTO: dpa
Halle. Ist alles Show – oder glaubt er wirklich, was er sagt? Der selbst ernannte "König von Deutschland", ein mutmaßlicher Betrüger, sorgt im Gericht für einen hollywoodreifen Auftritt. Der Mann bewegt sich im Dunstkreis der Reichsbürgerbewegung. dpa/sm

Wie in Film: Unter Tränen, angeschmachtet von seiner jungen Lebenspartnerin mit Modelmaßen, weist der "König von Deutschland", Peter Fitzek, im voll besetzten Gerichtssaal in Halle alle Anklagen von sich. Schwere Untreue in 28 Fällen und Verstoß gegen das Kreditwesengesetz wirft ihm Oberstaatsanwältin Heike Geyer am Donnerstag zum Prozessauftakt vor.

Es geht um 1,7 Millionen Euro, die Fitzek von Menschen angenommen und ihnen eine krisensichere Anlage durch Sachwerte versprochen haben soll. Davon soll er sich satte 1,3 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt haben. Die Sicherheitsbehörden rechnen Fitzek den Reichsbürgern zu. Diese Bewegung leugnet die Existenz der Bundesrepublik und deren Gesetze. Er weist das vehement von sich.

Fitzek, gelernter Koch, gibt sich bei der Frage nach seinen Personalien als "Staatsangehöriger des Königreichs Deutschland" aus. "Ich bin ein treuer Diener von Gott, ich gebe nur mein Bestes, bis heute. Ich bin ein Handlanger vom Schöpfer. Wenn er ruft, muss ich handeln", sagt er.

Das Geld sei ihm "aufgenötigt" worden. "Ich kann meine Unschuld umfänglich beweisen", ergänzt der 51-Jährige aus Wittenberg und bricht immer wieder in Tränen aus. Er engagiere sich allein für das Gemeinwohl, er bereichere sich nicht auf Kosten anderer, er lebe "nur etwas besser" als ein Hartz-IV-Empfänger.

Doch für die Staatsanwaltschaft steht fest: Die 1,3 Millionen Euro sind verschwunden. "Für die Anleger besteht die Gefahr des Totalverlusts", betont die Oberstaatsanwältin.

Dennoch hatten sich einige Sympathisanten im Gerichtssaal eingefunden, verfolgten den Prozess, der von einem Medienspektakel und zugleich strengsten Sicherheitskontrollen begleitet ist. "Den Ablauf der Verhandlung bestimme ich", mahnt die Vorsitzende Richterin der Wirtschaftsstrafkammer, Ursula Mertens.

Der Prozess wird heute mit der Befragung von zwei Zeugen fortgesetzt.