| 02:38 Uhr

Kölner Kontrollen führen zu Debatte über Rassismus

Köln. Das gezielte Kontrollieren von Nordafrikanern durch die Kölner Polizei in der Silvesternacht hat eine Rassismus-Debatte ausgelöst. Während Grünen-Chefin Simone Peter anfangs die Polizei kritisierte, nahmen Politiker von CDU, CSU, SPD und auch Grünen die Beamten in Schutz. dpa/bl

Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies bedauerte die Verwendung der Bezeichnung "Nafris" für Nordafrikaner in einem Tweet der Polizei, verteidigte die Kontrollen aber als absolut notwendig.

Die Kölner Polizei hatte am Silvesterabend via Twitter mitgeteilt: "Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen." Dies wurde in den sozialen Netzwerken vielfach als diskriminierend verurteilt. Mathies sagte dazu: "Den Begriff finde ich sehr unglücklich verwendet hier in der Situation. ( . . . ) Das bedauere ich außerordentlich." Auch das Bundesinnenministerium distanzierte sich von dem Begriff.

Der Begriff "Nafri" werde keineswegs benutzt, um Menschen aus Nordafrika pauschal abzuwerten, sagte Ernst Walter, der Vorsitzende der Deutschen Bundespolizeigewerkschaft (DPolG). "Das ist lediglich eine Abkürzung für nordafrikanische Intensivtäter und ist keinesfalls rassistisch oder als Schimpfwort gemeint."

Polizeipräsident Mathies betonte, man habe die Nordafrikaner nicht einfach so kontrolliert, vielmehr habe die Bundespolizei zuvor schon aus den Zügen gemeldet, dass "hochaggressive" Gruppen nach Köln unterwegs seien. Natürlich habe die Polizei auch die Erkenntnisse zu den Tätern der vergangenen Silvesternacht berücksichtigt: "Es waren keine grauhaarigen älteren Männer oder blondhaarigen jungen Frauen."

In der Silvesternacht vor einem Jahr war es am Kölner Hauptbahnhof zu zahlreichen Diebstählen und sexuellen Übergriffen gekommen. Die Verdächtigen und Verurteilten waren überwiegend Nordafrikaner. Diesmal kam es nicht zu solchen massenhaften Straftaten - nach Einschätzung der Polizei lag dies an ihrem konsequenten Einschreiten.

Grünen-Chefin Simone Peter hatte gesagt, es stelle sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, "wenn insgesamt knapp 1000 Personen alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt" worden seien, sagte sie. "Völlig inakzeptabel" sei der Begriff "Nafris". Peters Position ist aber auch innerhalb der der Grünen umstritten. Sowohl Bundestags-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt als auch der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer distanzierten sich von Peters Kritik. Göring-Eckhardt sagte, die Kölner Polizei habe "umsichtig" gehandelt.