Köhler begründete seine Entscheidung am Montag in Berlin mit der Kritik an seinen Äußerungen im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Die Unterstellung, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehre jeder Rechtfertigung, sagte Köhler. Das lasse den notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen. Köhler hatte mit einer Äußerung für Empörung gesorgt, militärische Einsätze könnten auch den wirtschaftlichen Interessen Deutschlands dienen. Ein Sprecher des Präsidenten hatte danach jedoch betont, Köhler sei missverstanden worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich bestürzt über Köhlers Schritt: "Ich bedauere seinen Rücktritt auf das Allerhärteste." Horst Köhler habe die Herzen der Menschen erobert, habe über den Tellerrand geschaut und sei ein wichtiger Ratgeber in der Wirtschafts- und Finanzkrise gewesen. Auch in der Region hat der Rücktritt viele Menschen verblüfft. Nach Ansicht von Michael Stübgen, CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Elbe-Elster-Kreis, war der angegebene "kein Rücktrittsgrund". Er vermutet, dass eine Vielzahl von Ereignissen und nicht nur die aktuelle Debatte Köhler zu seiner Entscheidunge gebracht hätten. "Ich akzeptiere die Entscheidung aber", sagte Stübgen. Nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten ist Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) vorübergehend erster Mann im Staat. Als Bundesratspräsident übernimmt er stellvertretend die Amtsgeschäfte. Es ist das erste Mal, dass ein Bundespräsident während seiner Amtszeit zurücktritt. Köhler war der neunte Inhaber des Amtes seit 1949. Ein Nachfolger für Köhler muss laut Grundgesetz innerhalb von 30 Tagen nach dem Rücktritt von der Bundesversammlung gewählt werden. epd/kr Seiten 2 & 3