Die Parteichefs der großen Koalition haben die Entscheidung über einen gemeinsamen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt vertagt. Die Gespräche würden mit dem Ziel fortgesetzt, Ende dieser Woche eine Entscheidung zu treffen, hieß es gestern in Koalitionskreisen nach einem Spitzentreffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit SPD-Chef Sigmar Gabriel und dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer. Die Möglichkeit eines gemeinsamen Kandidaten von Union und SPD bleibe bestehen.

Gabriel sagte danach: "Eine Einigung ist weiterhin nicht ausgeschlossen." Der SPD-Vorsitzende hatte sich schon zuvor für Außenminister Frank-Walter Steinmeier als Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck stark gemacht. Offenbar drängten Merkel und Seehofer Gabriel gestern, Steinmeier als Vorschlag zurückzuziehen. Beide sollen den SPD-Chef gebeten haben, auf Steinmeiers Kandidatur zu verzichten, bevor neue Namen diskutiert würden. Gabriel habe dies aber abgelehnt.

In der Union wird dennoch nicht ausgeschlossen, dass es am Ende doch noch eine Verständigung auf Steinmeier geben könne. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hatte im Vorfeld des gestrigen Treffens gesagt: "Unsere Haltung bleibt klar. Als Bundespräsident kommt nur eine exzellente Persönlichkeit in frage. Frank-Walter Steinmeier ist dafür ein guter Maßstab."