Dieser Schritt war bislang mit Sachsens Union nicht zu machen. Parteiintern scheiterten mehrere Vorstöße von urbanen Reformern, die Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften im Programm zu verankern. Unter dem Druck des neuen Koalitionspartners SPD soll nun die Gleichstellung kommen. Und zwar mit Frist bis 2016.

Im Koalitionsvertrag bekennen sich beide Seiten zur "Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen". Und kündigen zudem an: "Wir werden Eingetragene Lebenspartnerschaften in den Landesgesetzen und Verordnungen in den kommenden zwei Jahren umfassend und vollständig verankern." Im Wahlprogramm der CDU - genannt "Regierungsprogramm" - war nur von der Gleichstellung von Frauen und Männern die Rede.

Der Kompromiss sieht im gedruckten Vertrag nun so aus: Im Kapitel Familie steht der altbekannte Satz "Wir bekennen uns zum besonderen Schutz von Ehe und Familie" an exponierter Stelle. Für "Familien in ihrer Vielfalt" will man bessere Rahmenbedingungen schaffen und Familien mit Kindern stärken und fördern.

Zufriedenheit bei der SPD, deren Chef Martin Dulig mit der Einigung gleich eine "neue politische Kultur" ausrief. Oliver Strotzer, Landeschef der Lesben und Schwulen in der SPD Sachsen freut sich, dass Sachsen "nicht mehr die rote Laterne bei der Gleichstellung von Ehe und Eingetragener Lebenspartnerschaft in Deutschland innehat". Im Koalitionsvertrag steht zudem ein Aktionsplan gegen die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität, den CDU und SPD erarbeiten wollen. Zudem sollen homosexuelle Männer nicht mehr pauschal von der Blutspende ausgeschlossen werden - die Kriterien für die Teilnahme sollen "überprüft" werden.

Sachsen ist das einzige Bundesland, in dem Verpartnerte im Landesrecht noch nicht gleichgestellt sind. Die bisherige Regierung aus CDU und FDP ließ davon die Finger, mit Verweis auf den besonderen Schutz von Ehe und Familie. Im schwarz-roten Vertrag ist das so an keiner Stelle formuliert.

Ein Punkt, der für Diskussionen sorgen dürfte, wenn die Union am Freitag beim Sonderparteitag in Radebeul über den Vertrag abstimmt. Im Mikrozensus von 2012 erfassten die Statistiker in Sachsen 907 000 Ehepaare - sowie 200 000 nichteheliche Lebensgemeinschaften.