"Das neue Modell
ist in Ordnung.
Es ist eine
moderne Lösung."
 Ingo Senftleben, Bildungsexperte
der CDU-Landtagsfraktion


Eine Fünf oder Sechs in "Betragen" wird es danach auch künftig nicht mehr geben. Damit wird die Einführung von Kopfnoten amtlich, die von Eltern, aber auch der Wirtschaft seit Langem gefordert werden.
Der Streit darüber ist in Brandenburg seit Mitte der 90er-Jahre geführt worden. Die SPD/CDU-Koalition hatte sich nach der Landtagswahl 2004 grundsätzlich darauf verständigt, Kopfnoten einzuführen. Doch um die Details gab es immer wieder Streit. Das nun vom Bildungsministerium gefundene Bewertungssystem orientiert sich weit gehend an dem in Bayern praktizierten Modell. So wird auf den Halbjahres- und Endjahreszeugnissen in Brandenburg das "Arbeitsverhalten" in den Kategorien Lern- und Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Sorgfalt, Ausdauer und Belastbarkeit sowie Selbstständigkeit mit den Noten Eins bis Vier zensiert werden. Im Sozialverhalten wird es diese Noten für Verantwortungsbereitschaft, für Kooperations- und Teamfähigkeit sowie für Konfliktfähigkeit und Toleranz geben. Nach dem Entwurf der Richtlinie sollen Schüler und Eltern ein Mitspracherecht bei der Benotung erhalten, wodurch sich das Bildungsministerium zusätzliche pädagogische Effekte verspricht.
Das neue Kopfnoten-Modell wird in den Koalitionsfraktionen begrüßt. Zwar hatte insbesondere die Union lange für traditionelle Kopfnoten wie zu DDR-Zeiten gestritten, wo etwa Betragen, Fleiß, Ordnung und Mitarbeit bewertet wurden. "Das neue Modell ist in Ordnung", sagte Ingo Senftleben, der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion. "Es ist eine moderne Lösung." Senftleben hält es allerdings für sinnvoll, die Noten für das Arbeits- und Sozialver-halten durch eine schriftliche Einschätzung durch die Lehrer zu ergänzen, damit Eltern und Schülern die Benotung besser nachvollziehen können.
Um gerechte und einheitliche Bewertungsmaßstäbe zu sichern, hat das Ministerium als Grundlage für die Kopfnoten eine Handreichung für die Lehrer entwickelt. In der Kategorie "Zuverlässigkeit und Sorgfalt" zum Beispiel muss der Lehrer konkret bewerten, ob sich der Schüler "an inhaltliche und zeitliche Vereinbarungen" hält, ob er "auf Details achtet", wie er "Ergebnis-se/Lösungen kontrolliert" und ob er über die "erforderlichen Unterrichtsmittel verfügt". Aus dem Gesamtbild dieser vier Fragen ergibt sich dann die Note in "Zuverlässigkeit und Sorgfalt". Das Ministerium hält sich zugute, dass dieser Kriterienkatalog für die Lehrer überschaubarer und weniger kompliziert als das bayerische Vorbild sei.
Die Linkspartei-Fraktion bekräftigte ihre Ablehnung. "Was eigentlich soll die Bewertung beispielsweise beim Parameter Belastbarkeit aussagen„ Was macht die Note vier aus einem objektiv weniger belastbaren Schüler", fragte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Gerrit Große. "Wie sollen Lehrkräfte Toleranz bei einem Schüler bewerten, der eben nicht tolerant ist in einer Gruppe von lernunwilligen oder gewaltbereiten Schülern“"